Oppenheim-Prozess: Josef Esch bestreitet Rolle der Grauen Eminenz

KÖLN - Im Sal. Oppenheim-Prozess sitzt außer den vier ehemaligen Bankchefs noch jemand auf der Anklagebank: der Immobilienmanager Josef Esch. Viele sehen in ihm den einstigen Strippenzieher der Bank. Er selbst stellt die Dinge ganz anders dar.

Im Sal. Oppenheim-Prozess hat erstmals die Verteidigung des angeklagten Immobilienmanagers Josef Esch ausführlich Stellung genommen. Sie trat dem Eindruck entgegen, dass Esch die Graue Eminenz der Bank gewesen sei, die überall die Fäden gezogen habe. "Josef Esch hatte keine Detailkenntnis der Strukturen des Bankhauses", versicherte sein Anwalt Eberhard Kempf am Donnerstag vor dem Landgericht Köln.

Nur in Einzelfällen, wenn es um seine Immobilienfonds gegangen sei, habe er an Sitzungen der Bankspitze teilgenommen. "Darüber hinaus hatte Josef Esch keinen Einblick in das Bankhaus." Als sich Sal. Oppenheim schließlich auf eine Krise zubewegt habe, sei dies für Esch anfangs auch nicht erkennbar gewesen. Esch war auch am Donnerstag nicht bereit, sich persönlich von der Vorsitzenden Richterin Sabine Grobecker befragen zu lassen. Auf eine entsprechende Nachfrage von ihr antwortete Kempf: "Im Moment nicht."

Kempf schilderte Eschs Aufstieg vom Maurer aus Troisdorf bei Köln zum gefragten Immobilienmanager. Der erste Kontakt zu Sal. Oppenheim kam demnach auf einem Ärztekongress zustande, wo Esch vermögende Kunden anwerben wollte. Im Laufe der Jahrzehnte sei "zunehmendes wechselseitiges Vertrauen" gewachsen. Dennoch sei Esch auch weiterhin genau kontrolliert worden. So habe er dem Bankchef Alfred Freiherr von Oppenheim (1934-2005) stets die Ergebnisse der Fondsgeschäfte vorgetragen und die Einhaltung der verlangten Margen nachgewiesen. Die Oppenheim-Esch-Fonds hätten der Bank lange hohe Gewinne gebracht, selbst noch zu Beginn der Finanzkrise, sagte Kempf.

In den vergangenen Wochen hatten bereits zwei andere Angeklagte, die ehemals persönlich haftenden Gesellschafter Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt, ihre Rolle heruntergespielt. Die eigentliche Macht lag nach ihrer Darstellung bei den beiden anderen Gesellschaftern, den Familienmitgliedern Christopher Freiherr von Oppenheim und Matthias Graf von Krockow. Doch auch diese beiden beteuern ihre Unschuld.

Die vier Banker und Esch müssen sich teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem vor, das Geldhaus mit zwei Immobiliengeschäften in Köln und einem in Frankfurt am Main um insgesamt rund 145 Millionen Euro geschädigt zu haben. Sal. Oppenheim war 2010 nach einem Milliardenverlust von der Deutschen Bank übernommen worden. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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