15. NRW-Gartenschau erinnert an das Gefangenenlager Stalag VI A

Lager Hemer

HEMER Auf dem Landesgartenschaugelände in Hemer bestand von 1939 bis 1945 das vermutlich größte Kriegsgefangenen-Stammlager auf deutschem Boden. Die grausamen Verbrechen dieser Zeit sollen auch während der 15. NRW-Gartenschau nicht verschwiegen werden. Aus diesem Grund wird eine Informations- und Gedenkstätte, dessen Herzstück ein in mühevoller Kleinarbeit entstandenes Modell ist, während der 191-tägigen Blumenschau an ein dunkles Kapitel der Stadt Hemer erinnern.

Schätzungsweise mehr als 200 000 Menschen vornehmlich aus der damaligen UdSSR, aber auch aus Polen, Frankreich, Belgien und später auch militärinternierte Italiener, waren in dem so genannten „Stalag VI A“ dauerhaft oder vorübergehend untergebracht. „Von Hemer aus wurden die Gefangenen zur Zwangsarbeit ins Ruhrgebiet, Ostwestfalen oder ins Sauerland geschickt“, erklärt Hans-Hermann Stopsack, Vorsitzender des Vereins für Hemeraner Zeitgeschichte, unter dessen Federführung die Informations- und Gedenkstätte entstand. „Das Lager ist ein dunkles Kapitel der Stadt Hemer, aber auch der Weltgeschichte. So etwas darf sich nicht wiederholen. Deswegen ist es wichtig, dass wir daran erinnern“, macht Hemers Bürgermeister und LGS-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Esken deutlich.

Als amerikanische Soldaten am 14. April 1945 das Stalag VI A befreiten, fanden sie grauenhafte Zustände vor. Mehr als 23 000 hungernde und sterbende Menschen hielten sich im Lager auf. 65 Jahre später steht der Hobby-Modellbauer Wolfgang Ebe vor einem Modell und zeigt auf einen Zaun. 25 Meter, mühevoll zusammengelötet aus mehr als 3000 Messingstiften. In der Realität waren es 7,5 Kilometer Stacheldraht, die hunderttausenden Menschen die Freiheit raubten. Knapp ein Jahr arbeitete Wolfgang Ebe an der detailgetreuen Nachbildung des Lagers zu Kriegszeiten im Maßstab 1:300. „Es sind beeindruckende sechs Quadratmeter, an denen sich unsere Gartenschau-Besucher mit der wechselvollen Geschichte des Geländes auseinander setzen können“, betont Michael Esken.

Vom Kriegsgefangenenlager über ein Militärgelände bis zur Landesgartenschau – die LGS Hemer sowie viele Zeitzeugen sehen sich in der Geschichte des Geländes verwoben. Neben dem Modell beleuchten vor allem Fotos, Dokumente und Exponate die Zeit des Stalag VI A. Die Verantwortlichen der Felsenmeerstadt haben sich wegen des geschichtlichen Hintergrundes des Geländes als Abkürzung für die Landesgartenschau in Hemer nicht für das gängige „LaGa“, sondern für die ungewohnte Variante „LGS“ entschieden. Froh über die neue Abkürzung und den Slogan „Zauber der Verwandlung“ ist auch Hans-Hermann Stopsack: „Es handelt sich wirklich um den ‚Zauber der Verwandlung‘, da aus dem größten Kriegsgefangenenlager Deutschlands ein so schöner Ort geworden ist.“ J LS/WA

Quelle: wa.de

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