Notstand für die CDU im Ruhrgebiet

ESSEN ▪ Die CDU hat bei der Wahl am Sonntag 67 Mandate im neuen Landtag errungen – allerdings sind alle Sitze ausschließlich Direktmandate. Damit zieht kein einziger CDU-Kandidat über die Landesreserveliste in den Landtag ein. Besonders bitter ist das abermals für die Ruhrgebiets-CDU. Gerade mal zwei Abgeordneten gelang das Kunststück, im roten Revier ihren Wahlkreis zu holen – Manfred Kuhmichel im Essener Süden und Josef Franz Hovenjürgen in der nördlichen Ruhrgebiets-Randlage in Haltern, Dorsten und Marl.

Der CDU-Bezirksvorsitzende Oliver Wittke schaffte es erneut nicht aus eigener Kraft in den Landtag, auch Landtagspräsidentin Regina van Dinther und Landesschatzmeister Lothar Hegemann fielen in ihren Wahlkreisen durch.

Vor fünf Jahren sah es ähnlich aus. Damals hatte die CDU ein derart starkes Ergebnis erzielt, dass die Liste ebenfalls nicht zog. Immerhin gab es damals auf Anhieb drei Revier-Abgeordnete für die CDU-Landtagsfraktion, unter anderen den Hammer Oskar Burkert, der diesmal kein Mandat holte.

Um den Proporz einigermaßen herzustellen, griff Ministerpräsident Jürgen Rüttgers seinerzeit in die Trickkiste. Er ernannte Günter Kozlowski zum Staatssekretär im Bauministerium, um noch die Wittenerin Regina van Dinther in den Landtag zu bekommen. Erst dadurch war van Dinthers Aufstieg ins zweithöchste Staatsamt der Landtagspräsidentin möglich. Schließlich ernannte Rüttgers Oliver Wittke zum Verkehrsminister und verstärkte damit die Stimme des Reviers in den CDU-Reihen.

„Das ist ein bitteres Wahlergebnis für die Ruhrgebiets-CDU“, räumte Bezirkschef Wittke gestern ein. Es sei jetzt für die Christdemokraten nicht so einfach, die politische Arbeit der Union im Ruhrgebiet aufrecht zu erhalten. „Mit nur zwei Abgeordneten allein ist das beinahe unmöglich“, sagte Wittke. Er plane nun, für Patenschaften in benachbarten Kreisen zu werben. Beispielsweise gebe es ja natürliche Nachbarschaftsbeziehungen zwischen dem ländlichen Kreis Soest und der Stadt Hamm, die nun nicht mehr mit einem CDU-Abgeordneten im Landtag vertreten sei. Nach dem Muster könne das auch in den anderen Rändern des Ruhrgebiets laufen. Darüber werde aber im Bezirksvorstand zu sprechen sein. „Das ist natürlich alles Notbehelf“, sei aber immer noch besser als gar nichts, fügte Wittke hinzu.

Seine eigenen politischen Ambitionen will Wittke auch ohne Landtagsmandat weiter verfolgen. Seine beiden Parteiämter – Wittke ist auch stellvertretender CDU-Landesvorsitzender – werde er „mit ganzer Kraft“ wahrnehmen. Ausgeschlossen ist auch seine Rückkehr in den Düsseldorfer Landtag nicht. Wittke steht auf Platz 3 der Landesliste. In der abgelaufenen Legislaturperiode gab es viele Nachrücker für die Union.

DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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