Norbert Röttgen Vorsitzender der NRW-CDU

Der neu gewählte Landesvorsitzende Norbert Röttgen jubelt am Samstag (06.11.2010) in Bonn auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU. Norbert Röttgen ist neuer Chef der nordrhein-westfälischen CDU. Bei einem Landesparteitag in Bonn erhielt der Bundesumweltminister 92,5 Prozent der 637 als gültig gewerteten Stimmen. 589 stimmten mit Ja, 48 mit Nein. Drei Enthaltungen wurden satzungsgemäß als ungültig gewertet. Röttgen trat ohne Gegenkandidaten an.

BONN ▪ Noch war die neue Landesspitze nicht gewählt, da sprach (Noch-)Generalsekretär Andreas Krautscheid beim CDU-Landesparteitag am Samstag in Bonn offen die Intrigen der vergangenen Monate in der Landesgeschäftsstelle an, die der CDU schon zu einem Teil die Landtagswahl verhagelt hatten und bis in die jüngsten Tage hinein für neue Schlagzeilen sorgte.

Immer wieder waren parteiinterne Mailschreiben öffentlich geworden, die das Ansehen der CDU in der Öffentlichkeit ramponiert haben. Seinen Nachfolger Oliver Wittke warnte Krautscheid eindringlich davor, ausgerechnet Personen in führende Positionen zu bringen, die in diese Intrigen verwickelt waren. „Wenn man den Bock zum Gärtner macht, hat man manchmal nicht lange Spaß daran“, warnte Krautscheid. Persönliche Integrität und Seriosität müssten der Maßstab sein. „Bei aller handwerklichen Qualität, die jemand hat: Wer schon mal irgendwo durch Illoyalität aufgefallen ist, hat in unserer Partei nichts zu suchen“, so Krautscheid. „Nach draußen muss die Bude dicht sein.“ Der Ex-Regierungssprecher und Ex-Europaminister spielte damit offen auf Medienberichte an, wonach Wittke vorhaben soll, Norbert Neß, den von Jürgen Rüttgers vor Jahren gefeuerten Chef vom Dienst in der Staatskanzlei, zum neuen Pressesprecher der Landes-CDU zu machen.

Krautscheid, der ankündigte, alle politischen Ämter niederzulegen, wurde mit stehenden Ovationen verabschiedet. Diese Begeisterung ließen die knapp 650 Parteifunktionäre bei Nachfolger Oliver Wittke später vermissen. Die Vorstellung des früheren Landesverkehrsministers, der sein Amt Anfang 2009 wegen Raserei am Steuer abgeben musste, zündete nicht. Zwar wurde Wittke anschließend ins Amt gewählt. Doch sein Ergebnis war wenig glanzvoll: Nur 409 Funktionäre votierten für den Chef der Ruhrgebiets-CDU. Er bekam 173 Gegenstimmen, außerdem enthielten sich 39 Delegierte, und 41 Delegierte machten ihre Stimme ungültig. „Wittke ist von seiner Partei mehr geduldet als getragen“, wertete ein Funktionär das Abstimmungsergebnis gegenüber unserer Zeitung. Hätten die Funktionäre den Vorschlag von Röttgen niedergestimmt, wäre der neue Vorsitzende schließlich gleich beschädigt gewesen.

Mit dem knappen Ergebnis für Wittke müsse Röttgen zur Kenntnis nehmen, dass er mit Wittke mit einer Hypothek in sein Amt starte. Röttgen selbst kam zuvor aber glänzend bei den Funktionären an. Ausgestattet mit dem Rückenwind aus der Mitgliederentscheidung, die er deutlich für sich entschied, bekam Röttgen mit 92,5 Prozent (589 Ja-Stimmen) ein sehr gutes Ergebnis. Röttgen bedankte sich für „diesen großen Vertrauensvorschuss“. Er weiß, dass er sich das Vertrauen noch erarbeiten muss.

Es war ebenfalls Krautscheid, der dem neuen Hoffnungsträger zuvor schon mal einen Merksatz mit auf den Weg gab: „Selbst, wenn die Provinz nur eine Durchgangsstation ist, muss man die Provinz ernst nehmen. Anders wird die CDU als Landespartei nie erfolgreich sein können.“ Donnernder Beifall von den Funktionären – sie wollen, dass sich Röttgen ganz auf seine Aufgabe in NRW konzentriert und nicht schon mit einem Auge auf das Kanzleramt schielt. Röttgen gilt neben Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als ein potenzieller Nachfolger von Angela Merkel. ▪ Detlef Burrichter

Quelle: wa.de

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