Niemand kennt die Gefahr im Boden

DÜSSELDORF - Auch 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs verstecken sich im nordrhein-westfälischen Boden noch zahlreiche nicht-detonierte Fliegerbomben, Artilleriegeschosse und andere militärische Sprengkörper. Durchschnittlich 1 000 Objekte werden in NRW pro Jahr entschärft. Wie viele Blindgänger noch genau vorhanden sind und wie hoch die von ihnen ausgehende Gefahr ist, – niemand kann es mit Sicherheit sagen.

Warum das so ist, erklärte gestern Sprecher Jörg Rademacher vom NRW-Innenministerium: „Rund 700 000 Tonnen Sprengstoff sind auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen im Zweiten Weltkrieg niedergegangen.“ Wie hoch die Blindgängerquote dabei war, darüber herrscht selbst unter Experten Uneinigkeit. Waren es fünf, zehn oder fünfzehn Prozent? Die Schätzungen gehen auseinander. Dazu kommt, dass kein Mensch die Zahl all jener Blindgänger kennt, die noch im Krieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit ohne jegliche Dokumentation geräumt wurden.

Große Unglücke bei Entschärfungen wie in Göttingen habe es in den vergangenen Jahrzehnten in NRW nicht gegeben. Allerdings kam im Juni 2008 im Munitionszerlegungsbetrieb Hünxe ein Mitarbeiter bei der Vorbereitung zur Zerlegung von Granaten ums Leben, als diese plötzlich explodierten.

Insgesamt 91 Menschen sind beim Kampfmittelräumdienst des Landes beschäftigt. Zu den Aufgaben des Dienstes zählt nicht nur Entschärfung und Beseitigung von Sprengkörpern, sondern auch die Luftbildauswertung zur Lageerkennung. 22 Mitarbeiter sind direkt als Bombenentschärfer tätig, neun davon bei der Bezirksregierung Arnsberg, die für ganz Westfalen zuständig ist. Groß sei unter den NRW-Mitarbeitern die Betroffenheit über das Unglück ihrer Kollegen in Göttingen. In der kleinen Branche kennt man sich untereinander.Lutz Kämpfe

Quelle: wa.de

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