Niedersachsen und NRW wollen mehr Spuren auf A2

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BIELEFELD/HANNOVER - Da Prognosen für die Autobahn 2 von weiterem Verkehrszuwachs ausgehen, wollen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die A2 von Bielefeld bis zur Grenze nach Sachsen-Anhalt achtspurig ausbauen.

Von Michael Evers

Lange Lastwagenschlangen, immer wieder Staus und schwere Unfälle: Die Autobahn 2 vom Ruhrgebiet über Westfalen und Niedersachsen Richtung Berlin ist eine der am stärksten befahrenen Strecken in Deutschland. Mit variablen Tempolimits und Baumaßnahmen wurde auf der wichtigen Ost-West-Achse inzwischen etwas Entspannung erreicht. Der Ausbau sei dennoch nötig. Beide Länder haben das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Sachsen-Anhalt sieht keinen Bedarf für mehr Fahrspuren.

"Die A2 ist eine ganz wichtige Verkehrs- und Wirtschaftsachse, der gilt immer unser besonderes Augenmerk", sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover, Stefan Wittke. "Dass der Verkehr zunehmen wird, ist klar." Binnen 24 Stunden passieren schon jetzt rund 100 000 Fahrzeuge Hannover und Bielefeld, bei Braunschweig sind es 80 000 und westlich von Magdeburg bis zu 72 000 Wagen. Der Anteil der Lastwagen liegt zwischen 20 und 25 Prozent.

Zwischen den Ländern abgestimmt sei daher der Wunsch nach einem achtstreifigen Ausbau, auch wenn die Umsetzung bei Kosten von fast 2,5 Milliarden Euro alleine auf dem niedersächsischen Abschnitt Zukunftsmusik ist, sagt Wittke. Am ehesten werde wohl ein Ausbau bei Hannover und danach bei Braunschweig angegangen.

"Die A2 ist die meistbefahrendste Strecke in Deutschland für Lastwagen", sagt der Präsident des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), Adalbert Wandt. Gerade für Osteuropa und Polen, das als Handelspartner an Bedeutung gewinne, sei die A2 eine wichtige Transitachse. "Zwischen Magdeburg und Hannover ist der Abschnitt, auf dem am meisten los ist, auch der Verkehr von Leipzig Richtung Hamburg läuft darüber", weiß Wandt, der auch als Chef einer Braunschweiger Spedition mit der Lage vertraut ist. "Wir müssen die A39 schnell fertigstellen, die Autobahn von Wolfsburg nach Lüneburg ist eine Entlastungsstrecke, die das Verkehrsaufkommen umleitet."

Für unrealistisch hält der GVN-Präsident indes die von der niedersächsischen Vorgängerregierung 2012 lancierte Idee einer Entlastungsautobahn, die vom Salzgitter-Dreieck zur A44 bei Paderborn führen soll. "Das dauert 25 Jahre, bis das gebaut ist." Rot-Grün in Hannover verfolgte das Vorhaben auch nicht weiter.

In wenigen Wochen bereits starten die Arbeiten zur Mitbenutzung der Standstreifen zwischen Hannover und Lehrte, womit dort ab Herbst diesen Jahres bereits acht Spuren zur Verfügung stehen, teilte die Landesbehörde für Straßenbau in Hannover mit. Im Herbst soll auch die Montage von 43 Schilderbrücken für variable Tempolimits zwischen Lehrte und Braunschweig beginnen, die für einen harmonischeren Verkehrsfluss sorgen sollen. Wegen Schäden an den Fundamenten wurden die 2012 installierten Brücken damals gleich wieder abgebaut.

Während die Unfallzahlen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt nach Einschätzung der Verkehrsministerien in Düsseldorf und Magdeburg keinen besonderen Grund zur Sorge bieten, stagnieren sie in Niedersachsen trotz Tempolimits und Warnkampagnen auf hohem Niveau. Gut 3000 Unfälle wurden 2012 gezählt, bei 387 Karambolagen gab es Verletzte, zehn Menschen kamen ums Leben. Auch im vergangenen Jahr krachte es ähnlich oft, allerdings gab es weniger schwere Lastwagenunfälle und weniger Tote.

Kommt es dennoch zu Brummi-Karambolagen, ist nach wie vor mangelnder Sicherheitsabstand, insbesondere bei Staus vor Baustellen der Hauptgrund, erklärt die Polizei in Hannover. Das Verhalten der Lkw-Fahrer habe sich kaum verbessert, ähnlich wie die Polizei bei Tempokontrollen kaum weniger Raser als früher ertappt. Dabei seien Tempo und Abstand halten und gegenseitige Vorsicht das Hauptrezept gegen Unfälle. Mit Flyern und Plakaten in fremden Sprachen oder im Jahr 2007 mit drei Meter hohen Holzkreuzen an den Orten tödlicher Unfälle wurden Autofahrer entlang der A2 bereits zur Vorsicht gemahnt. Kommunen in Niedersachsen installierten Blitzer.

Um die Zahl der Unfälle zu senken, wurde die A2 in Sachsen-Anhalt gleich nach dem sechsspurigen Ausbau Ende der neunziger Jahre von der niedersächsischen Grenze bis nach Magdeburg mit mobilen Tempolimits ausgestattet. Mit der Montage der Schilderbrücken bei Braunschweig gibt es bald auch durchgängig bis nach Westfalen an die Verkehrslage angepasste Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mehr Sicherheit und weniger Unfälle versprechen Experten sich von den Anlagen.

Quelle: wa.de

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