22-Jährige vor Gericht

Dortmund: Baby verhungert - Mutter legt Geständnis ab

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Dortmund - Wegen Totschlags an ihrem neugeborenen Mädchen steht eine 22-jährige Frau vor dem Dortmunder Schwurgericht. Zu Prozessbeginn gab die Angeklagte zu, im Oktober vergangenen Jahres alleine im Keller eines Mehrfamilienhauses in Dortmund ein Kind auf die Welt gebracht, es in eine Plastiktüte verpackt und unversorgt zurück gelassen zu haben.

Von Lisa Moorwessel

Das lebensfähige Baby verhungerte und verdurstete in dem kalten Keller, Tage später wurde seine Leiche von Nachbarn der Frau in einer Katzentransportbox in dem verdreckten Kellerloch entdeckt.

Beklommenes Schweigen herrschte im Gerichtssaal des Dortmunder Schwurgerichts während der zweistündigen Befragung der jungen Frau durch den Vorsitzenden Richter Wolfgang Meyer. Mit leiser schleppender Stimme und manchmal regelrecht trotzigem Tonfall schilderte die junge Frau ihre Familiengeschichte, beschrieb, dass sie mit 16 Jahren das erste Mal ungewollt schwanger geworden sei, dann von einem anderen Partner zwei weitere Jungen bekommen habe: "Nur das zweite Kind war gewollt. Nach dem dritten Kind wollte ich kein weiteres Kind, egal, ob Mädchen oder Junge", schilderte die dreifache Mutter ihre Einstellung zu den rasch hinter einander erlebten Schwangerschaften.

Die vierte Schwangerschaft mit dem Mädchen will die 22-jährige Hartz-IV-Empfängerin vor sich und anderen zunächst verheimlicht haben, einen vom misstrauisch gewordenen Jugendamt angeregten Termin beim Frauenarzt nahm sie nicht wahr. Offenbar verdrängte die ungewollt Schwangere alle Anzeichen einer bevorstehenden Geburt, hatte nichts unternommen, um das Kind anonym zur Welt zu bringen oder in eine Babyklappe zu geben.

Allein, hingekauert in einem dunklen kalten Keller brachte sie in der Tatnacht das Mädchen zur Welt. Stunden vor und nach der Geburt schrieb sie sich mit dem Handy Kurznachrichten mit ihrem in der Wohnung auf sie wartenden Freund und Vater des Neugeborenen: "Es ist so weit, jetzt weißt Du Bescheid" kündigte sie den bis dahin angeblich ahnungslosen Mann die bevorstehende Geburt an.

Der sichtlich fassungslose Mann versuchte in Dutzenden von SMS, seine Freundin zu überreden, einen Arzt zu rufen, alarmierte aber selbst während der Geburt und in den folgenden Tagen keine Hilfe für das sterbende Neugeborene im Keller. Gegen ihn wird ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung.

Die Mutter muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Totschlags rechnen. Ihre drei Söhne waren ihr wenige Wochen vor der Geburt des Mädchens vom Jugendamt weg genommen worden und leben heute in einem Kinderheim.

Quelle: wa.de

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