Skandalöse Provokation

Neonazi im Dortmunder Rat empört mit Juden-Anfrage

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Bürger halten am 18. Juni in Dortmund vor dem Rathaus während einer Demonstration Schilder gegen Rechtsextremismus hoch.

DORTMUND - Die rechtsextreme Partei Die Rechte im Dortmunder Stadtrat hat mit einer Anfrage zu den Juden in der Stadt Empörung ausgelöst. "Das ist aus unserer Sicht reine Provokation", sagte ein Sprecher der Stadt Dortmund am Freitag.

Dennis Giemsch, einziges Mitglied der Rechten im Stadtrat, hat schriftlich gefragt, wieviele Juden in Dortmund wohnen und ob sich ihre Zahl nach Stadtbezirken aufschlüsseln lasse. „Um einen angemessenen Umgang mit allen Religionen zu finden“, seien diese Angaben relevant, heißt es in der Anfrage.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zeigte sich am Freitag entsetzt: „Die Anfrage der Nazis zeugt von einem unerhörten menschenverachtenden, antisemitischen und rassistischen Ungeist“, ließ er mitteilen.

NRW-Innenminister Ralf Jäger zeigte sich alarmiert. Ein Ministeriumssprecher sprach von einem „abscheulichen Affront gegen unsere jüdischen Mitbürger“.

Entsetzt reagierte der Zentralrat der Juden. Dessen Präsident Dieter Graumann sprach in der WAZ von „abscheulichem und perfiden Antisemitismus“. Dass Neonazis wissen wollen, wo und wie viele Juden in der Stadt leben, erinnere ihn „an schlimmste Zeiten“.

Der NRW-Landesvorsitzende der Grünen, Sven Lehmann, sagte: „Von dieser Anfrage bis zur Wiedereinführung des Judensterns ist der Weg nicht weit.“

Nach Angaben eines Sprechers der Stadt Dortmund reiht sich die Juden-Anfrage in eine ganze Reihe von Provokationen des rechten Ratsherren ein. Dieser habe jüngst auch Anfragen nach der Zahl der Aidskranken in Dortmund und deren sexueller Orientierung sowie nach „versteckten Flüchtlingsunterkünften“ gestellt. - hd

Quelle: wa.de

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