Verträge überprüft

Nach Zugausfällen: NWL droht der Eurobahn

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Hamm / Düsseldorf - Die Verkehrsverbünde drohen der Eurobahn mit ernsthaften Konsequenzen, sollte das Unternehmen seine Personalprobleme nicht in den Griff bekommen. Bei der Eurobahn fallen regelmäßig Züge aus, weil zu wenig Lokführer im Dienst sind. Letztes Mittel wäre eine Kündigung der Verkehrsverträge.

Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sind unzufrieden, weil landesweit Fahrten ausfallen. Betroffen sind alle Linien der Eurobahn, in Hamm also RE3, RE13, RB69 und RB 89. Am Niederrhein strich das Unternehmen sogar jede zweite Fahrt. Der Krankenstand sei derzeit dreimal so hoch wie üblich, sagte eine Eurobahn-Sprecherin.

Dass dem Unternehmen, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, Lokführer fehlen, ist nicht neu, die gesamte Branche sucht nach Fahrpersonal. Doch die Situation der vergangenen Monate bei den Verkehrsverbünde offenbar ein Fass zum überlaufen gebracht. VRR und NWL reagierten gereizt auf neue Ausfälle bei der Eurobahn. Es habe viele Gespräche mit der Geschäftsführung gegeben, sagte ein NWL-Sprecher. Trotz aller Bemühungen des Unternehmens habe die Situation sich aber nicht verbessert, nach wie vor fielen immer wieder Fahrten in nennenswerten Umfang aus. Der VRR, so eine Sprecherin, habe zwar 2014 Verbesserungen bei den Eurobahn-Leistungen festgestellt, in diesem Jahr habe die Situation sich aber wieder verschlechtert.

VRR prüft Schadensersatzforderungen

Beim VRR prüfe man jetzt Schadensersatzforderungen, so die Sprecherin. Der NWL geht noch einen Schritt weiter und lässt die Verkehrsverträge juristisch überprüfen. Vertragsstrafen habe die Eurobahn bereits zahlen müssen, sagte der NWL-Sprecher. Offenbar wirke dieses Mittel aber nicht. Welche Möglichkeiten sich für ein weiteres Vorgehen gegen die Eurobahn ergeben, stehe aber erst nach Abschluss der Prüfung Anfang des Jahres fest.

Juristisch anspruchsvoll und praktisch schwierig

Letztes Mittel wäre für die Verkehrsverbünde eine Vertragskündigung. Offiziell hält man sich bei NWL und VRR dazu bedeckt. Juristisch begäben die Verbünde sich auf schwieriges Terrain und praktisch gesehen müsste ein Anbieter bereitstehen, der genügend Personal, Fahrzeuge und Erfahrung für eine Betriebsübernahme mitbringt. Dafür käme nur die Deutsche Bahn in Frage – die zuletzt alle großen Aufträge im nordrhein-westfälischen Regionalverkehr an die private Konkurrenz verloren hatte.

Eurobahn gelobt Besserung

Die Eurobahn gelobte indes Besserung: Man nehme die Kritik erst und arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, sagte die Unternehmenssprecherin. Unbesetzte Schichten habe man zu 80 Prozent durch kurzfristige Umplanungen doch noch besetzten können. Kollegen seien aus dem Urlaub zurückgekehrt, Verwaltungsmitarbeiter mit Lokführerschein hätten Fahrten übernommen. Seit Jahren bilde man Triebfahrzeugführer aus, aktuell würden zwei Millionen Euro in die Nachwuchsförderung investiert.

Quelle: wa.de

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