Brutale Gewalttat gegen Eurobahn-Kontrolleure

Übergriff am Soester Bahnhof: Darum sind die Tatverdächtigen auf freiem Fuß

Einer der Jugendlichen holt aus und tritt dem bereits verletzten Kontrolleur ein zweites Mal mit voller Wucht vor den Oberkörper. Kommentar der Soester Polizei: "Es liegen keine lebensgefährdenden Handlungen vor."

Soest - Sie traten einen am Boden liegenden Bahn-Kontrolleur mit voller Kraft ins Gesicht. Dennoch sind die beiden Tatverdächtigen nach dem Übergriff am Soester Bahnhof weiterhin auf freiem Fuß. So begründet dies die Soester Polizei und so geht es den Kontrolleuren:

Die beiden 17 und 18 Jahre alten Tatverdächtigen, die am Dienstagnachmittag auf zwei Kontrolleure der Eurobahn losgegangen sind und einem bereits am Boden liegenden Mitarbeiter mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben, müssen vorläufig nicht in (Untersuchungs-) Haft. 

Die ersten Ermittlungen, so die Soester Polizei, habe ergeben, dass keine Haftgründe vorliegen. Dazu zählen Flucht-, Verdunklungs- oder Wiederholungsgefahr. Deshalb habe man auch darauf verzichtet, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. 

Fehlende Tickets machen Kontrolleure aufmerksam

Die beiden aus Marokko stammenden jungen Männer waren auf der Bahnfahrt von Hamm nach Soest den Kontrolleuren aufgefallen, weil sie kein Ticket besaßen. Deshalb sollten die Schwarzfahrer in Soest den Zug verlassen, um sie der Polizei übergeben zu können. Auf dem Bahnsteig eskalierte die Szene. 

Aus vollem Lauf ins Gesicht getreten

Die Ertappten wehrten sich mit Händen und Füßen, traten und schlugen auf die Kontrolleure ein. Ein Video belegt: Selbst als ein Bahn-Mitarbeiter bereits am Boden liegt, stürmt einer der beiden Männer noch auf ihn zu und tritt ihn aus vollem Lauf ins Gesicht. Zum Glück ist das Opfer glimpflich davongekommen. 

Gewaltopfer ist krank geschrieben

Nach Auskunft der Eurobahn und der Bundespolizei hat der Kontrolleur zwar eine Gehirnerschütterung und Prellungen davongetragen, aber keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitten. Der Mann hat inzwischen das Krankenhaus wieder verlassen können und ist krank geschrieben.

Die Szenen sind an Brutalität kaum zu überbieten.

Auf die Frage, warum bei einer so brutalen Attacke die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet wird, um Haftbefehl zu beantragen, sagt Polizeisprecher Frank Meiske: „Es liegen keine lebensgefährdenden Handlungen vor.“ Zudem handele es sich um Jugendliche, die überdies in Dortmund einen festen Wohnsitz haben. 

Beteiligten sollen vernommen werden

Deshalb sei Anzeige erstattet worden und die Übergabe an das Jugendamt das Mittel der Wahl gewesen. Inzwischen hat die Bundespolizei die weiteren Ermittlungen übernommen. „Wir werden in den nächsten Tagen die Verdächtigen, Geschädigten und die Zeugen vernehmen“, so Sprecher Rainer Kerstiens in Münster.

Zwischenfälle nehmen zu

Spätestens nach Abschluss der Ermittlungen dürfte der Fall zur Staatsanwaltschaft gehen, die über eine Anklage entscheiden müsste. Kerstiens bestätigt, dass die Zahl der Zwischenfälle mit Kontrolleuren und Schwarzfahrern zunehme. Aber nur selten folgten örtliche Auseinandersetzungen. 

Training für brenzlige Situationen

Was häufiger vorkomme: Die Erwischten nehmen Reißaus und rennen davon. Eine Eurobahn-Sprecherin sagte dem Anzeiger, die Bahn sammele gerade Erfahrungen mit Teams, die sowohl für die Kontrollen als auch für die Sicherheit und somit auch für das Einschreiten in brenzligen Situationen trainiert würden. 

Über Ergebnisse dieser Offensive lasse sich aber noch nicht berichten.

Quelle: wa.de

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