Nach Tigerangriff: Neue Sicherheitstechnik im Zoo Münster

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MÜNSTER - Nach dem Tod eines Tierpflegers im vergangenen Jahr, will der Zoo in Münster menschliches Versagen ausschließen. Ganz geht das aber nicht, bei aller technischer Raffinesse.

Sechs Monate nach einem tragischen Unglücksfall mit einem getöteten Tierpfleger hat der Zoo in Münster am Montag eine neue Sicherheitstechnik vorgestellt. Zusammen mit der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde und der Berufsgenossenschaft hat Zoodirektor Jörg Adler für rund 80 000 Euro die Tigeranlage aufgerüstet. Dabei zwingt eine elektrohydraulische Sicherung die Tierpfleger zu einem systematischem Vorgehen, wenn die Tiere vom Außen- in das Innengehege gehen und umgekehrt. Zusätzlich können die Zoo-Mitarbeiter die Tiger über ein Video-System beobachten. Bei dem alten System hatte der 57-jährige Tierpfleger eine offene Schiebetür übersehen. Der Tiger war ihm nach draußen gefolgt und hatte ihn als "Eindringling" in seinem Revier getötet. Bei der neuen Technik ist der Zugang ins Außengehege verriegelt, wenn einer der Schieber noch oben ist.

Zoo-Chef Adler verglich das neue System mit einem Airbag im Auto. "Es bringt den Tierpflegern zusätzliche Sicherheit, gleichzeitig hoffen wir alle, dass das System niemals ausgereizt werden muss. Autofahrer wollen ja auch nicht, da sich der Luftsack öffnet", sagte Adler.

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Nach dem dem Unglück im Münsteraner Zoo hatte die Staatsanwaltschaft menschliches Versagen als Ursache festgestellt. "Am Ende steht immer der Mensch, auch bei dem neuen System. Auch das können sie an bestimmten Stellen ignorieren", betonte Adler. Mit Hilfe von doppelter und zum Teil dreifacher Absicherung aber zwingt das neue System die Pfleger zu bewussten Handlungen. Das Öffnen der Schieber zum Beispiel funktioniert nur, wenn ein bestimmter Schlüssel umgedreht und gleichzeitig ein Schalter umgelegt wird.

Die Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde spricht von der Anlage als Pilotprojekt. In Münster wird im zweiten Schritt in diesem Jahr noch die Löwen-Anlage für 120 000 Euro mit der neuen Technik ausgestattet. Im nächsten Jahr sind dann die Bären an der Reihe. Tiger, Bären und Löwen gehören bei den Tieren zur Gefährdungsklasse 3. Zoo-Chef Adler geht davon aus, dass die Technik auch für andere Tierparks interessant ist. "Allerdings sind wir nach dem Unglück im vergangen Jahr nicht stolz darauf." - lnw

Quelle: wa.de

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