Polizei mit emotionalem Appell

Bußgeld, Punkte, Fahrverbot: Das erwartet den Rettungsgassen-Chaoten nach Lkw-Unfall auf A 44

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Ein Lkw-Fahrer wurde bei dem Unfall schwer verletzt. 

Kreis Soest - Der Lkw-Fahrer, der am Mittwoch während eines schweren Unfalls auf der A 44 bei Anröchte für Chaos in der Rettungsgasse sorgte, muss mit harten Konsequenzen rechnen. Ein Polizist der Dortmunder Autobahnpolizei hat eine emotionale Botschaft an ihn.

Das muss man sich erst einmal vor Augen führen: Auf der A 44, kurz hinter der Anschlussstelle Erwitte/Anröchte, gibt es einen schweren Auffahrunfall mit zwei Lkw. Der Fahrer des hinteren Sattelzugs, ein 50-Jähriger aus Hennstedt in Schleswig-Holstein, ist in seinem Führerhaus eingeschlossen, hat schwere Verletzungen an Füßen und Beinen. Auch sein Vordermann, ein 45-Jähriger aus Polen, ist verletzt. Beide brauchen Hilfe.

Die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr sind vor Ort und kümmern sich gerade darum, den Schwerverletzten aus seiner Kabine zu befreien. Hinter ihnen hat sich bereits ein kilometerlanger Stau gebildet, durch den die Rettungskräfte sich ihren Weg zur Einsatzstelle erkämpfen mussten. "Erst auf den letzten 50 Metern sah die Rettungsgasse ordentlich aus", sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Rafael Schmidt rückblickend.

Rettungsgasse verstopft - obwohl noch Rettung auf dem Weg ist

Und genau diese Rettungsgasse will ein Lkw-Fahrer missbrauchen, um dem Stau zu entgehen. Er lenkt sein meterlanges Gespann in die Fahrbahnmitte, will offensichtlich eine Lücke in der Einsatzstelle nutzen, um weiter zu kommen.

Doch sein Plan geht nicht auf. Er bleibt stecken. Nichts geht mehr. Weder vor noch zurück. Jetzt versperrt er die Rettungsgasse - und das, obwohl noch Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zur Unfallstelle sind, um den Verletzten zu helfen.

Die Folgen für den renitenten Fahrer

"Wir mussten unsere Fahrzeuge nach vorn versetzen, damit überhaupt Platz für den Lkw war, sich wieder einzureihen", schildert Einsatzleiter Schmidt. Mit mahnenden Worten kann der Rettungsgassen-Muffel nicht viel anfangen.

April 2017: So sah die Rettungsgasse während eines Lkw-Großbrandes auf der A 44 in der Nähe von Anröchte aus.

Die angefertigte Anzeige der Polizei gegen ihn dürfte da schon mehr Eindruck bei ihm machen. Denn die Folgen dieser Anzeige dürften ihm viel Zeit geben, um über das Thema Rettungsgasse nachzudenken. Natürlich in Ruhe bei einem Spaziergang und nicht auf der Straße. 

Diese Strafe droht seit kurzer Zeit

Denn: Seit Mitte Oktober 2017 wird die "Missachtung der Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse, wenn Einsatzfahrzeuge anfahren" mit mindestens 200 Euro bestraft. Vorher waren es lediglich 20 Euro.

"Da er mit seinem Verhalten zusätzlich für eine Behinderung der Einsatzkräfte gesorgt hat, darf er mit 240 Euro Bußgeld, zwei Punkten in Flensburg und einem einmonatigen Fahrverbot rechnen", erklärt Kim Freigang, Sprecher der Dortmunder Autobahnpolizei. 

Freigang appelliert in diesem Zuge an den gesunden Menschenverstand, der in diesem Fall wohl zu kurz kam: "Rettungsgassen retten Leben. Sie sind Voraussetzung, dass Hilfskräfte mit ihren Einsatzfahrzeugen rechtzeitig und ungehindert an die Unfallstelle gelangen."

Diesen persönlichen Rat gibt die Polizei dem Fahrer mit auf den Weg

Er rät dem Lkw-Fahrer, sein Verhalten zu überdenken: "Das ist eine Unart, diese Gedankenlosigkeit sucht ihresgleichen - es geht um das Leben und die Gesundheit anderer Menschen. Der Fahrer, der die Rettungsgasse blockiert hat, nur um schneller voranzukommen, sollte sich einmal vorstellen, dass er eingeklemmt wäre, bluten würde und Schmerzen hätte. Da wird jede Sekunde zur Ewigkeit."

Bußgeld, Punkte und das einmonatige Fahrverbot seien mit Blick auf die entstandene Gefahr noch sehr verhältnismäßig. Vielleicht kommt der Fahrer während seines Führerschein-Entzuges ja auch zu dieser Einsicht.

So wird es für die Polizei in Zukunft leichter

Durch neue technische Hilfsmittel wird es für die Polizei auf den NRW-Autobahnen übrigens einfacher, Rettungsgassen-Verweigerer zu überführen. Mit Dashcams werden die Vergehen als Videomaterial festgehalten, das vor Gericht als Beweis genutzt werden kann.

So können Vergehen auch während der Einsatzfahrt durch die Rettungsgasse festgehalten werden. Das Videomaterial wird vor Gericht als Beweismittel akzeptiert. Damit ist es möglich, Autofahrer entweder direkt mit ihrem Vergehen zu konfrontieren, oder sie bekommen einen Anhörungsbogen per Post.

Davonkommen wird in Zukunft also deutlich schwieriger.

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Quelle: wa.de

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