Arbeitskampf geht weiter

Züge rollen wieder - Pilotenstreik bis Mitternacht

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Am Flughafen Köln/Bonn sollten nach Angaben des Airports weiterhin bis Mitternacht geplanten Flüge ausfallen.

[Update 16.20 Uhr] DÜSSELDORF - Erst 14 Stunden Bahnstreik, dann gehen die Piloten in den Ausstand. Reisende in NRW müssen viel Geduld mitbringen. Immerhin laufen seit dem Morgen die Züge wieder ohne größere Behinderungen.

Nach dem Ende des Streiks der Lokführer ist der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Bahn weitgehend normal angelaufen. Vereinzelt fielen am Morgen noch Regionalzüge und S-Bahnen aus oder starteten nicht am üblichen Bahnhof, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin. "Sonst läuft aber alles relativ reibungslos." Mittags folgte aber gleich der nächste Streik: Um 12 Uhr sollte ein zwölfstündiger Ausstand von Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings beginnen. Auf Reisende und Urlauber auf dem Heimweg aus den Herbstferien kommt direkt eine neue Geduldsprobe zu.

Besonders vom Streik betroffen waren die Flughäfen in Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Berlin. Alleine in Köln fielen je 23 An- und Abflüge aus. Der Airport schätze die Zahl der Flugausfälle bisher auf 46 von 86 im Streikzeitraum bis Mitternacht geplanten Flügen. Da die meisten Fluggäste vorab per Mail oder SMS erreicht wurden oder von sich aus umgebucht hätten, gebe es aber keine Warteschlangen auf den Flughäfen, sagte der Sprecher.

Die Zahl der von den Ausfällen betroffenen Passagiere schätzt der Flughafen auf etwa 5000. In Düsseldorf wurden laut dem Notflugplan 4 von 64 Flügen gestrichen. Germanwings bot dabei kostenlose Stornierung, Umbuchung oder Gutscheine für die Bahn an. Die zusätzlichen Fahrgäste, die vom Flugzeug in den Bahn umsteigen, seien kein Problem. Die Bahn habe ausreichende Kapazitäten, sagte ein Bahnsprecherin.

Der Pilotenstreik sollte bis kurz vor Mitternacht gehen. Danach waren drei Flüge gegen 1 Uhr geplant. Dazu würden die Piloten pflichtgemäß erscheinen, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Er rechne damit, dass der Flugbetrieb in der Nacht und am Morgen plangemäß wieder anlaufe.

Cockpit kämpft um Vorruhestandskonditionen

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kämpft um Vorruhestandskonditionen für die Flugzeugführer. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihren 14-stündigen Streik am Donnerstagmorgen um 4 Uhr beendet. Am Mittwoch waren nach Angaben der Bahn allein in NRW Hunderttausende Pendler und Reisende von dem Ausstand betroffen.

Die Gewerkschaft erklärte, Lufthansa habe alle Kompromissvorschläge nicht aufgegriffen und mauere weiter. "Wir würden gern mit der Lufthansa reden, aber die melden sich nicht", sagte ein Sprecher. Deswegen müssten sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen. Der aktuelle Ausstand dauert bis Mitternacht.

Lufthansa warf der Gewerkschaft vor, der Streikaufruf richte sich gezielt gegen Familien. In dieser Wochen gehen die Herbstferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen zu Ende. Viele Familien seien auf dem Weg nach Hause. "Damit verabschiedet sich die Pilotengewerkschaft ganz offensichtlich von ihrem Grundsatz, nicht in erster Linie die Passagiere der Lufthansa Gruppe treffen zu wollen". VC gehe es nicht um eine konstruktive Lösung, sondern vielmehr um den größtmöglichen Schaden bei Lufthansa, erklärte die Fluglinie am Mittwoch.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rief die Tarifparteien zu einer schnellen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Nur dort könnten Ergebnisse erzielt werden, sagte Dobrindt in Berlin. "Deshalb sollte man zügig versuchen, diesen wieder aufzusuchen." Streiks gehörten zur Tarifautonomie, allerdings solle die Zahl betroffener Dritter bei Auseinandersetzungen möglichst gering gehalten werden.

Zusätzliche Mitarbeiter an Bahnhöfen

In der Streikzeit habe die Bahn bundesweit Hunderte Mitarbeiter zusätzlich an den Bahnhöfen eingesetzt. Auch Führungskräfte und Verwaltungsangestellte hätten auf den Bahnsteigen mitgeholfen oder Kundentelefone betreut, um den Reisenden ans Ziel zu helfen. DB-Mitarbeiter hätten Verzehrgutscheine, Getränke und Snacks verteilt, so die Bahn.

- Aktuelle Informationen der Bahn zur Lage in NRW

- Zur Reiseauskunft der Bahn

Die Bahn hatte bereits Stunden vor dem Streikbeginn um 14 Uhr Züge gestrichen. Damit wollte sie sicherstellen, dass der Zugverkehr am Donnerstagmorgen problemlos wieder anlaufen konnte. Das habe sich ausgezahlt, teilte die Bahn in Berlin mit. "Statt planlos verstreut in ganz Deutschland standen die meisten Züge an den geplanten Einsatzorten."

Die GDL verlangt für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. Sie beansprucht zudem, auch für das übrige Zugpersonal zu verhandeln. Ein Ende des Tarifstreits ist nicht in Sicht. Ob weitere Streiks eventuell am Wochenende drohen, wollte die GDL nicht sagen. - lnw

Quelle: wa.de

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