Nach Bordellbesuch mit Minderjährigen - Weitere Vorwürfe

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Symbolfoto

DÜSSELDORF - Nach einem Bordellbesuch mit teils Minderjährigen wird einem Mitarbeiter des Dormageners Raphaleshauses vorgeworfen, er habe zudem unerlaubt Geld und ein privates Handy an junge Gefangene verliehen. Zudem sei Alkohl- und Tabakkonsum toleriert worden.

Von Robert Vornholt 

Es gibt neue Vorwürfe gegen des Mitarbeiter des Dormagener Raphaelshauses: Der Beschäftigte in dem Modellprojekt „Jugendstrafvollzug in neuen Formen“ soll an einem Weihnachtsfeiertag nicht nur drei zum Teil minderjährigen jungen Gefangenen einen Bordellbesuch in Düsseldorf ermöglicht sowie mit den jungen Männern in der Silvesternacht eine Kneipentour in Köln unternommen haben. „Darüber hinaus soll der Mitarbeiter Geld an die jungen Gefangenen verliehen, unzulässige Toleranz bei Tabak- und Alkoholkonsum gezeigt, sein Handy für nicht erlaubte Privattelefonate an die jungen Gefangenen verliehen und ihnen abends nach Einschluss Fernseh- beziehungsweise Kartenspielnächte erlaubt haben. Er hat sein Fehlverhalten nachweislich durch falsche Dokumentation vertuscht“, berichtete Landesjustizminister Thomas Kutschaty gestern im Rechtsausschuss des Landtages.

Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe, hat aber von sich aus das Arbeitsverhältnis gekündigt. Er betonte, dass die Regeln für den Aufenthalt in der Einrichtung, die gemäß des Jugendstrafvollzugsgesetzes galten, den Jugendlichen bekannt gewesen seien. Sie hätten die Pflichtverletzungen selbst zu verantworten und hätten „sich selbst eine Chance verbaut“.

Ein Projektteilnehmer habe seine Fluchtabsicht sogar einer Mitarbeiterin des Raphaelshauses angekündigt. Der entwichene 16-Jährige verbüße eine Jugendstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung, Raub, Computerbetrug, Beleidigung und Diebstahl. „Im Übrigen hat er Diebstähle von Elektroartikeln, Fahrrädern, eines Quads begangen, versucht, mit einer gefundenen EC-Karte Geld aus einem Automaten zu erlangen und ist in ein Kassenhäuschen auf einer Kirmes eingebrochen“, so Kutschaty.

Pro Tag kostet der Aufenthalt der Jugendlichen übrigens 266 Euro. Er müsse „davon ausgehen, dass der Jugendstrafvollzug in freien Formen über einen längeren Zeitraum zum Teil fernab von jeglichen Absprachen und jeglichem pädagogischen Konzept praktiziert wurde, ohne dass die eklatanten Pflichtverletzungen von der Einrichtung bemerkt wurden“. Nur aufgrund der „Beichte“ eines Projektteilnehmers seien die Vorfälle bekannt geworden, sagte Kutschaty. Im Einvernehmen mit den Politikern stellte der Justizminister fest, dass „keine voreiligen Schritte zur Neueinrichtung eines Vollzugs in freien Formen“ gemacht werden sollen.

Eine wissenschaftliche Aufbereitung soll nun die Basis für künftige Projekte sein. „Der Strafvollzug in freien Formen bleibt ein wichtiges und geeignetes Instrument“, betonte die Grünen-Abgeordnete Dagmar Hanses aus Warstein. Der Abbruch der Betreuung in Dormagen sei richtig gewesen, weil die Vorfälle „keine Lappalie“ seien.

Quelle: wa.de

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