Nach der Amokfahrt in Iserlohn

Wie geht es der Familie? Warum flüchtete der Täter?

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ISERLOHN - Wie geht es der so schwer verletzten Familie aus Hemer? Welche Angaben hat der geständige Unfallfahrer aus Nachrodt bislang gemacht? Wurde der 36-Jährige gar polizeilich gesucht und entzog sich deshalb der Routine-Kontrolle? Nach der Amokfahrt von Montagabend in Iserlohn-Letmathe stellen sich viele Fragen. Wir haben einige Antworten.

Von Lars Becker

Die wichtigste aller Fragen bezieht sich auf die vier unbeteiligten Unfallopfer aus Hemer - Vater (52), Mutter (51) und deren zwei Töchter (17 und 14). Wie ist ihr Gesundheitszustand?

Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, sagte am frühen Mittwochmorgen auf Anfrage: "Das 17-jährige Mädchen konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Sie wird von uns begleitet, unserer Mitarbeiterin der Opferfürsorge hat sich eingeschaltet. Die Eltern und die 14-Jährige werden weiterhin stationär behandelt."

Lesen Sie hier die bisherige Berichterstattung:

- Mann aus Nachrodt (36) hat sich der Polizei gestellt

Damit gelten sich im Sprachjargon der Polizei als schwer verletzt. Und dies gilt insbesondere für das junge Mädchen. Sie schwebt nicht in akuter Lebensgefahr. "Das zunächst angenommene Schädel-Hirn-Trauma hat sich zum Glück so nicht bestätigt. Ihr geht es allen Umständen entsprechend einigermaßen", sagte Boronowski, der natürlich keine Details mitteilen darf.

Fakt aber ist, dass die 14-Jährige bei der Karambolage mit dem BMW X6 des Unfallfahrers massivste Knochenbrüche erlitten hat. Sie liegt in einer Dortmunder Spezialklinik.

Der Unfallverursacher hatte sich am Dienstagnachmittag und damit etwa 19 Stunden nach den Vorkommnissen auf der Kreuzung Ellebrecht in Begleitung eines Rechtsanwaltes bei der Polizei in Iserlohn gestellt und zugegeben, der Gesuchte zu sein.

Er wurde erkennungsdienstlich behandelt, wie es im Polizei-Deutsch heißt. Dazu gehört beispielsweise die Anfertigung von Lichtbildern, das Abnehmen von Fingerabdrücken - ganz allgemein "die Erfassung von personenbezogenen und biometrischen Daten einer Person durch die Polizei".

Video zum schweren Unfall auf der Kreuzung Ellebrecht

Zur Sache hat der 36-jährige Mann aus Nachrodt, der einer festen Arbeit nachgehen soll, keinerlei Angaben gemacht. Er durfte die Polizeiwache gemeinsam mit seinem Rechtsbeistand wieder verlassen.

Warum der Mann unvermittelt während der allgemeinen Verkehrskontrolle Gas gab und den schweren Unfall provozierte, ist den ermittelnden Beamten und der Staatsanwaltschaft Hagen ein Rätsel.

Dietmar Boronowski bestätigte jedenfalls, dass der Mann nicht polizeilich gesucht wurde. Das Auto war nicht gestohlen oder etwa widerrechtlich in seinem Besitz. Der Fahrzeughalter war ein Freund des 36-Jährigen, kein direkter Familienangehöriger.

Ob Alkohol- der Drogenkonsum im Spiel gewesen sein könnten, ist womöglich nicht mehr konkret nachvollziehbar. Schließlich verging zwischen Unfall und Geständnis viel Zeit. Die Staatsanwaltschaft Hagen ermittelt jetzt wegen einer Verkehrsunfallflucht und fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen.

Ob dem Mann, der ungebremst in den Dacia der Familie aus Hemer gerast war, Vorsatz nachzuweisen sein wird, müssen die Ermittlungen zeigen. Hierzu wird auch ein Sachverständiger eingeschaltet, der auch Angaben zum Tempo machen wird, mit dem der BMW X6 auf die Kreuzung fuhr. "Die beiden beteiligten Fahrzeuge sind sichergestellt worden", sagte Dietmar Boronowski, der am Dienstag zahlreiche Presseanfragen auch von überregionalen Fernsehsendern zu bearbeiten hatte.

Seitens der Polizei waren am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag mehr als 20 Beamte im Einsatz - darunter der Hubschrauber "Hummel 8" und ein Mantrailer-Spürhund. "Was allen Rettungs- und Einsatzkräften bleibt, ist die Betroffenheit und die Frage nach dem ,Warum`", so Dietmar Boronowski abschließend.

Vielen, vielen Menschen im Märkischen Kreis und weit darüber hinaus geht es genauso. Sie drücken vor allem der Familie aus Hemer die Daumen, dass sie schnell gesundheitlich Fortschritte macht und die schrecklichen Ereignisse verarbeiten kann.

Quelle: wa.de

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