Mutmaßlicher Schlosspark-Killer bricht sein Schweigen

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DÜSSELDORF - Ein unheimlicher Mord und ein spektakulärer Überfall auf einen Makler werden in Düsseldorf vor Gericht aufgerollt. Dort bricht der mysteriöse Angeklagte überraschend sein monatelanges Schweigen.

Erst ein vorwitziger Fuchs brachte den Mord ans Licht. Er schleppte einen Fuß samt Socken aus dem Unterholz eines Düsseldorfer Schlossparks auf einen Gehweg, wo ein Spaziergänger auf das grausige Corpus Delicti stieß. Als die Polizei den Rest der gefesselten Leiche entdeckte, deren Kopf mit Klebeband umwickelt war, saß der mutmaßliche Mörder bereits in Untersuchungshaft - unter dem Namen des Toten und wegen eines ganz anderen, aber nicht minder unheimlichen Verbrechens.

Seit Donnerstag werden die beiden spektakulären Kriminalfälle vor dem Düsseldorfer Landgericht aufgerollt. Und prompt brach der Angeklagte, der in die Identität seines mutmaßlichen Opfers geschlüpft war und den die Ermittler schließlich nach Wochen als den Russen Alexander F. (41) identifizierten, sein monatelanges Schweigen.

Der 41-Jährige, aufgewachsen in St. Petersburg, gesteht den Überfall auf einen Düsseldorfer Makler und dessen Frau. Bewaffnet mit Schalldämpfer-Pistole, Elektroschocker, Handschellen und Messer, maskiert mit Sturmhaube und Sonnenbrille, hatte er dem Makler vor dessen Haus aufgelauert und sich neben ihn in dessen Auto gesetzt.

Dort stach er mit einem Messer auf den Mann und seine zur Hilfe eilende Frau ein, bis beide schwer verletzt waren. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd samt Polizeihubschrauber konnte er schließlich festgenommen werden.

Er habe dem Makler nur Druck machen wollen, weil er ihm 1000 Euro in bar für die Vermittlung einer Wohnung gegeben habe, aber lange nichts geschehen sei, behauptete der Angeklagte im dunkelgrünen Parka am Donnerstag. Als der Makler dann im Auto auf ihn eingetreten habe, sei er in Panik geraten und habe zugestochen.

Mit dem Mord habe er dagegen nichts zu tun. Dass sämtliche Wertgegenstände des Opfers in seiner Wohnung entdeckt wurden, liege daran, dass der 33-jährige Landsmann dort eingezogen sei, bevor er verschwand. Er habe den falschen Leuten Geld geschuldet und die Polizei sei auch hinter ihm her gewesen. Der 41-Jährige deutet an, von dunklen Machenschaften zu wissen, über die er aber nicht reden wolle. Niemand muss sich vor Gericht selbst belasten.

Der Ermordete habe vor seinem Ableben ein Auto nach Abchasien bringen wollen, sagt der Angeklagte, deswegen habe er keine Vermisstenanzeige erstattet. Mit Erlaubnis des Opfers habe er dessen Wagen genutzt, wie noch andere Männer, die er nicht verraten werde. Dass in dem Auto reichlich Blut des Ermordeten war, habe er nicht bemerkt. Auch durfte er mit dessen EC-Karte Geld abheben. Man sei befreundet gewesen.

Staatsanwalt Christoph Kumpa trägt eine andere Version vor: Der Angeklagte habe seinen Landsmann in dessen Krefelder Wohnung gefesselt. Er habe ihn zur Herausgabe der PIN-Nummer für die EC-Karte gezwungen, bevor er ihn mit Messerstichen in Nacken und Brust getötet und in dem Park unweit seiner Wohnung verscharrt habe. Mord aus Habgier. Trotz Plastikplane sei Blut ins Auto des Opfers gesickert, als er die Leiche von Krefeld nach Düsseldorf geschafft habe.

Dem Makler, den er bereits mit Handschellen gefesselt hatte und der reichlich Blut verlor, habe ein ähnliches Schicksal gedroht. Der Mann und seine mutige Frau sind nach dem brutalen Überfall immer noch traumatisiert. Der Angeklagte soll bereits in Russland im Gefängnis und auch in einer Psychiatrie gesessen haben. Das Gericht hat zunächst acht Verhandlungstage angesetzt. - dpa

Quelle: wa.de

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