Mutiger Vorstoß mit meist kritischem Echo

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Hannelore Kraft ▪

DÜSSELDORF ▪ Neun Wochen vor der NRW-Landtagswahl beherrscht SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft die Schlagzeilen in der Diskussion um Hartz-IV – mit dem Thema, mit dem sich CDU-Landeschef und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) seit Jahren einen Namen zu machen versuchte. Mit ihrem Vorstoß, Hartz-IV-Empfänger Straßen fegen zu lassen, hat sich Kraft jetzt etwas getraut – mit einem breiten Echo, in dem die Kritiker aber überwiegen.

Auch Praktiker in den Jobcentern und Arbeitsagenturen, die sich um Langzeitarbeitslose kümmern, sind skeptisch.

Bei Krafts politischen Partnern in Düsseldorf herrscht Unverständnis. „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, urteilte Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann und kritisierte den „denkbar ungünstigen Zeitpunkt“. Löhrmann fürchtet offensichtlich, dass Kraft den Trend in den Meinungsumfragen hin zu Rot-Grün gebrochen haben könnte. In den vergangenen Wochen lief es für Kraft und die NRW-SPD unerwartet gut. Die CDU ist mit ihrer Sponsoring-Affäre beschäftigt, Schwarz-Gelb rutscht in den Umfragen immer weiter ab. Mittlerweile können sich die NRW-Genossen Hoffnungen machen, gemeinsam mit den Grünen den Machtwechsel im Land zu schaffen.

Die CDU nutzte auch prompt die Steilvorlage. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sieht in dem Vorstoß den Versuch, die Linkspartei vor der Landtagswahl stark zu machen: „Die Linke ist der eigentliche Nutznießer. Und die SPD braucht die Linkspartei, um eine Mehrheit erlangen zu können.“

Krafts Vorschläge kamen aber nicht aus heiterem Himmel. Seit Jahresbeginn ist die SPD-Spitzenkandidatin unterwegs und arbeitet dabei auch tageweise in sozialen Einrichtung mit – Seite an Seite mit Ein-Euro-Kräften. Diese Arbeitseinsätze hätten bei ihr „emotional und politisch Spuren hinterlassen“. Ihr seien Menschen begegnet, die sagten: „Wenn ich Arbeit habe, bin ich ein ganz normaler Mensch.“ ▪ dfb/dpa

Quelle: wa.de

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