Bad Münstereifel wird Outlet

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BAD MÜNSTEREIFEL - Einige halten das schlichtweg für eine Schnapsidee. Wie dieser Mann, der auf dem Wochenmarkt seinen Honig verkauft. "Das hier ist doch tiefste Provinz", sagt er und lacht abfällig. Die kleine Eifelstadt soll Outlet werden. Nächsten August. Jährlich zwei Millionen Besucher. "Wo sollen die herkommen?" fragt der Mann und das klingt etwas verächtlich.

Bad Münstereifel hat Schulden und kränkelt. Auf dem ersten Blick sieht man das nicht: Malerisches Stadtbild, gepflasterte Straßen, Flüsschen, Burg, Stadtmauer. An den Wochenenden wälzt sich die Masse von Tagestouristen übers Pflaster. Aber in der Woche ist "tote Hose", wie selbst Bürgermeister Alexander Büttner (CDU) ungeschminkt zugibt: "Für die Geschäfte zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel."

Das Ladensterben hält seit Jahren an, vor rund einem Jahr hat der letzte Metzger zugemacht. Nach Angaben der Stadt stehen rund 15 Prozent der Geschäfte leer. Früher lebte die Stadt von den Kurgästen und vom Heino-Tourismus. Aber als mit der Gesundheitsreform die Kurgäste weg blieben, ging es langsam bergab. Das Outlet Center mit dem Restpostenverkauf von Designer-Mode scheint so etwas wie der Heilsbringer.

Die Stadt spricht von einer Investitionssumme von 30 bis 40 Millionen Euro. Der Sprecher der Investorengemeinschaft Georg Cruse will dazu nichts sagen. Der Mann lebt mit seiner Familie in der Stadt, arbeitet als Geschäftsführer in dem Bekleidungsunternehmen Robert Ley. Seit Jahren beobachtete er, wie ein Geschäft nach dem anderen schloss. Mit zwei Mitstreitern entwickelte er das Konzept: Kein Outlet mit künstlicher Stadtkulisse auf der grünen Wiese - sondern ein Shopping Dorf, integriert in einen gewachsenen Stadtkern. "Bei uns ist alles echt, Fluss, Stadtmauer, Burg", sagt Cruse. Das sei einmalig in Deutschland, bestätigt auch der Handelsverband Nordrhein-Westfalen.

Wie viele Häuser die Investoren gekauft und gemietet haben, sagt er nicht. Er spricht lieber von den 12000 Quadratmetern Fläche, und den rund 40 Geschäften, die hier einziehen sollen. Was sagen schon Gebäude, meint er - hinter historischen Fassaden wurde oft großzügig angebaut, in Absprache mit der Denkmalpflege. Der mittelalterliche Stadtkern ist Denkmalbereich.

Natürlich glaubt Cruse an den Erfolg: 60 Prozent der Flächen seien vermietet, zur Eröffnung im August sollen es 80 Prozent sein. Aus den Marken macht er noch ein Geheimnis. Die Nähe zu Bonn und Köln, gute Verkehrsanbindung - warum sollte das Projekt schiefgehen?

Etwa weil eine Verdoppelung der Besucherzahl auf zwei Millionen illusorisch ist, meint Buchhändler Josef Mütter. Oder weil die Hoch-Zeit der Outlets fast vorbei sei. Er zählt zu den kritischen Stimmen in der Stadt - einer kleinen Minderheit, meint der Bürgermeister. "Was die da machen, ist totaler Poker", kritisiert Mütter.

Das sieht eine ältere Frau, die an das Outlet vermietet hat, ganz anders. Für sie ist die Sache ganz einfach: "Die Leute kommen mit Bussen. Das war bei Heino auch so. Das Café von Heino war früher immer gerammelt voll." So einfach ist das. Aber Heinos Café war früher. Dann lief der Mietvertrag aus, und Heino war raus. Jetzt kommt ein Modeladen.

Bad Münstereifel nur als Kulisse für das Outlet zu verstehen wäre für Bürgermeister Alexander Büttner falsch. Immerhin lebten 1000 Menschen in der Altstadt, es gebe Schulen, Theater, Museen, Kneipen. "Die Leute wollen mit ganz großer Mehrheit dieses Projekt", betont er. Und falls das schief geht? "Dann hätten wir schlimmstenfalls sanierte Häuser und neue Parkplätze, dann müssten wir versuchen auf dieser Grundlage eine Alternative zu entwickeln", sagt Büttner. Klingt alles ganz einfach. - lnw

Quelle: wa.de

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