Mord-Prozess gegen ehemaligen SS-Mann eingestellt

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Der heute 92-jährige Siert Bruins war angeklagt, mit einem Vorgesetzten den Gefangenen auf einer fingierten Flucht erschossen zu haben.

HAGEN - Der Tod eines niederländischen Widerstandskämpfers vor 70 Jahren bleibt weiter ungesühnt. Das Landgericht Hagen stellte den Prozess gegen den 92-jährigen Angeklagten ein, weil während der langen Zeit Beweise verloren gegangen sind.

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Der Hagener Kriegsverbrecherprozess gegen einen früheren SS-Mann wegen der Ermordung eines niederländischen Widerstandskämpfers ist überraschend eingestellt worden. In den fast 70 Jahren seit der Tat seien Beweise verloren gegangen, begründete das Landgericht Hagen am Mittwoch die Entscheidung. Zeugen zu befragen und zu hinterfragen sei weitgehend nicht mehr möglich gewesen. Der heute 92-jährige Siert Bruins konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Bruins war angeklagt, mit einem Vorgesetzten im September 1944 den Gefangenen auf einer fingierten Flucht in der Nähe von Groningen erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Die Vorsitzende Richterin nannte die Einstellung eine für viele "unerwartete Entscheidung". Die Kammer gehe zwar zumindest von einem Totschlag aus. Mordmerkmale hätten aber nicht mehr nachgewiesen werden können. Totschlag sei verjährt.

Neuer Prozess

Ein heute 88 Jahre alter Kölner soll im Zweiten Weltkrieg in Frankreich an der Ermordung von 624 Einwohnern des Ortes Oradour-sur-Glane beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen den Mann Anklage wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an 25 Menschen und Beihilfe zum Mord an mehreren hundert Menschen erhoben. Dies teilte das Landgericht Köln mit. Die Tat geschah im Juni 1944. Weil der Mann damals erst 19 Jahre alt war, muss eine Strafkammer des Landgerichts nun als Jugendkammer darüber entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. - dpa

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Revision beim Bundesgerichtshof ist möglich. Die Staatsanwaltschaft will das Urteil zunächst prüfen. Der Anwalt der Nebenklägerin, der 97 Jahre alten Schwester des Opfers, will zunächst seine Mandantin über den Ausgang informieren. "Dieses Urteil wird sie sehr schockieren", sagte er.

Der gebürtige Niederländer Bruins hatte sich während des Krieges freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Nach einer Verletzung während des Russlandfeldzuges wurde er in die Grenz- und Hafenstadt Delfzijl versetzt. Dort kam es am 21. September 1944 zu der Ermordung des Widerstandskämpfers. Die Alliierten waren zu diesem Zeitpunkt in den Niederlanden auf dem Vormarsch. Hitler hatte kurz zuvor den sogenannten Niedermachungsbefehl gegeben.

Bruins war bereits 1949 in den Niederlanden wegen mehrerer Taten von einem Sondergericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits in Deutschland untergetaucht. Später wurde das Urteil auf lebenslänglich geändert. Ausgeliefert wurde er nie, weil er mit dem Eintritt in die SS die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Nachdem Bruins in den 1970er Jahren in der Nähe von Hagen aufgespürt wurde, kam es zu Ermittlungen im Fall des Widerstandskämpfers und wegen der Ermordung zweier niederländischer Juden.

Im Fall der Juden wurden Bruins und sein Vorgesetzter August Neuhäuser 1980 in Hagen wegen Beihilfe zum Mord zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Sie hatten sich gegenseitig beschuldigt. Die Ermittlungen im Fall des Widerstandskämpfers stellte die Staatsanwaltschaft zunächst ein. Später nahm sie die Ermittlungen wieder auf, weil sie die Tatbeteiligung von Bruins jetzt als Mord wertete. - lnw

Quelle: wa.de

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