Montgolfiade 2011: Heiße Luft am Himmel, harte Fäuste am Boden

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Auf Sonnenblumen-Tuchfühlung: Anna-Christina Senske, Uwe Wendt, Christiane Willeke und Hermann Löser.

WARSTEIN - Wenn Juri Gagarins Raumkapsel auf eine überdimensionierte Sonnenblume trifft und im Vorbeifahren eine indische Handtasche grüßt, dann kann das nur eins bedeuten: Die Warsteiner Internationale Montgolfiade lockt wieder – diesmal zum 21. Mal – auf das Startgelände im Warsteiner Süden.

Von Dorothee Lürbke

So recht mag man es sich angesichts des derzeitigen Schauer- und Dauerregens noch nicht vorstellen, dass ab dem kommenden Freitag der Himmel voller Ballone hängen soll. Doch obwohl es für verlässliche meteorologische Prognosen bei der Pressekonferenz am Montag auch noch zu früh war, schien WIM-Geschäftsführer Hermann Löser nicht der einzige Wetter-Optimist zu sein: 203 Anmeldungen von Ballon-Teams aus 13 Nationen, darunter erstmals ein Pilot aus Indien, lagen Montagvormittag bereits vor, sehr zur Freude Lösers. Schließlich wusste Löser von etlichen anderen Ballonevents der vergangenen Monate, die bei den gemeldeten Startern Einbußen von bis zu 50 Prozent hinnehmen mussten.

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In Warstein dagegen liegen die Zahlen bislang nur knapp unter dem Vorjahr, was sich erfahrungsgemäß durchaus noch ändern kann. Und nicht nur das: Auch 2011 kann die Montgolfiade wieder mit neuen Sonderformen aufwarten. Ein halbes Jahrhundert nach dem historischen Weltraumflug des Russen Gagarin soll die „Wostok 3KA-3“ in Ballonform gen Horizont entschweben. Ebenso eine Premiere am Warsteiner Himmel erleben die indische Handtasche, eine Special Shape mit aufgesetzten Würstchen-Dosen und die Sonnenblume. Auf letztere, sein „persönliches Highlight“, freut sich Hermann Löser ganz besonders: Dank dieser neuen Sonderform gibt es am ersten Montgolfiade-Samstag auch eine Ballontaufe, bei der die 32 Meter hohe Blume mit Strahlegesicht, 40 Blütenblättern und einem Hüllengewicht von 274 Kilogramm den Namen „Welcome“ erhalten soll – der Taufpate steht allerdings wie auch der Ehrengast zur WIM-Eröffnung noch nicht fest.

Daneben können Fans der „altbekannten“ Sonderformen einem Wiedersehen mit Orient-Express, Action-Man, Brandenburger Tor und Co. entgegenfiebern. Auch sonst setzt die WIM in ihrer 21. Auflage gern auf schon traditionelle Attraktionen: Fünf Nightglows, ein Außenstart vom Flughafen Paderborn-Lippstadt und zahlreiche Wettbewerbe wie jene der Paraballooner oder der Ladies Cup sind selbstverständlich auch für dieses Jahr geplant. Das Programm wurde allerdings um einen Tag gekürzt – in den Vorjahren hatte der letzte Montgolfiadesonntag ohnehin wegen des schlechten Wetters und der Abreise zahlreicher Teams kaum zum strahlenden Abschluss gereicht.

Neun statt zehn Tage Montgolfiade sind dafür jedoch in punkto Rahmenprogramm noch enger durchgeplant als in den Vorjahren: „Der früher einzige ruhige Tag“, nämlich der Montag, ist nun den Feuerwehren vom Hellweg und aus dem Sauerland gewidmet, berichtet WIM-Geschäftsführer Uwe Wendt. Am Dienstag folgt dann das 4. Warsteiner Majestäten-Treffen, bei dem 150 Schützenkönigspaare aus den Kreisen Soest und Hochsauerland zum zweiten Mal den „Ballonkönig“ ausschießen.

Majestätisch geht es auch am Mittwoch weiter: Schwergewichts-Boxweltmeister Wladimir Klitschko reist zu einer kurzen Stippvisite in die Wästerstadt. Der Besuch von „Dr. Steelhammer“, der mit Bruder Vitali zusammen mehrere Wohltätigkeitsprojekte unterstützt, ist mit dem „Tu‘ Gutes Tag“ verknüpft: Der Verein „Archemed Ärzte für Kinder in Not“ wird 10 000 Lose zu je 1 Euro auf dem WIM-Gelände verkaufen. 20 Preise, darunter als Hauptgewinn ein zweitägiger Besuch im Klitschko-Trainingslager in Österreich, warten auf die Loskäufer. Der Erlös fließt in den Aufbau einer Geburtenklinik in Keren in Nord-Eritrea.

Klitschko-Fans, die ihren Star hautnah erleben wollen, sollten sich indes keine großen Hoffnungen machen: Der Boxer wird sich nur kurz auf dem Startfeld dem Publikum zeigen, und das bloß von ferne. Das hängt zum einen damit zusammen, dass, wie Uwe Wendt und Hermann Löser betonen, auch Wladimir Klitschko zum Rahmenprogramm gehört – und die Montgolfiade sei nun einmal in erster Linie ein Ballonfestival, keine „Kirmes mit begleitendem Ballonprogramm“. Breitere Fluchtwege und Rettungsschilder

Zum anderen geht Sicherheit schließlich vor – nicht nur für Klitschko: Nach dem Loveparade-Desaster stockte das WIM-Team sein Sicherheitskonzept auf nunmehr stolze 47 DIN A4-Seiten auf, verbreiterte unter anderem die Fluchtwege und plante große nachtleuchtende Rettungsschilder ein. Einige tausend Euro habe man investiert, so Hermann Löser, „aber das hält sich in Grenzen, da wir das meiste vorher schon hatten“.

In punkto Augenweiden und Attraktionen, Stars und Sicherheit ist die 21. Montgolfiade also schon in trockenen Tüchern. Und was Petrus‘ Launen angeht, ist Berufsoptimist Hermann Löser wie immer sicher: „Das Wetter wird hervorragend.“

Quelle: wa.de

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