Monatelanges Warten: In NRW fehlen 1600 Psychotherapeuten

NRW - Monatelanges Warten - In NRW fehlen 1600 Psychotherapeuten Immer Menschen mit Depressionen oder Ängsten suchen sich professionelle Hilfe. Doch es gibt in NRW zu wenig Psychotherapeuten. Die Folge ist oft monatelanges Warten - besonders im Ruhrgebiet.

In Nordrhein-Westfalen müssen psychisch kranke Menschen vor allem im Ruhrgebiet oft monatelang auf eine Therapie warten. Insgesamt müssten im bevölkerungsreichsten Bundesland rund 1600 Therapeuten zusätzlich eine Zulassung bekommen, sagte die Präsidentin der NRW-Psychotherapeutenkammer, Monika Konitzer, am Mittwoch in Düsseldorf.

Allein zwischen Dortmund und Duisburg müssten sich Menschen mit Depressionen oder Angstzuständen im Durchschnitt 17 Wochen bis zu einem ersten Gespräch beim Therapeuten gedulden. Das sei fast doppelt so lang wie in anderen deutschen Großstädten, wo die Wartezeit bei etwa neun Wochen liege. Spitzenreiter sei Bottrop mit rund 45 Wochen Wartezeit. Relativ gut stehe Münster mit 6,4 Wochen da. Zumutbar sind aus Sicht der Therapeuten drei Wochen. Im Bundesdurchschnitt liege die Wartezeit bei 12,5 Wochen. Nach dem ersten Gespräch beginnt für die Patienten aber noch das Warten auf einen Therapieplatz.

Das Ruhrgebiet sei wegen einer fehlerhaften Bedarfsplanung von 1999 besonders benachteiligt, sagte Konitzer. So sei vor 13 Jahren für das Revier mit seinen 5 Millionen Einwohnern ein viel niedrigerer Bedarf an Psychotherapeuten angenommen worden als in anderen Großstädten.

Die Menschen im Revier sollen demnach nur von etwa 11 Psychotherapeuten je 100 000 Einwohner versorgt werden - weit weniger als in anderen Großstädten, wo rund 39 Therapeuten pro 100 000 Einwohner berechnet wurden. Auf dem Land seien es sogar nur rund 4 Therapeuten. "Schon für diese großen Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt es sachlich keine Begründung", sagte Konitzer. Und im Ruhrgebiet würden die Menschen genauso häufig krank wie in anderen deutschen Großstädten.

Insgesamt sieht die Kammer ein Ungleichgewicht bei der Verteilung der Praxen in NRW. So könne man die Zahl der zugelassenen Praxen etwa in Köln, Bonn und Münster zugunsten der Ruhrgebietsstädte reduzieren, sagte Konitzer. Es gebe genug junge Therapeuten. "Es ist ein sehr attraktiver Beruf und es gibt keinen Nachwuchsmangel."

Grund für den höheren Bedarf an Psychotherapeuten ist nach Einschätzung der Kammer nicht etwa eine steigende Zahl der Erkrankungen, sondern eine höhere Behandlungsquote. Der Gang zum Therapeuten sei heute nicht mehr stigmatisiert, sagte Konitzer. Es gebe mehr Informationen etwa über Burn Out und Depressionen. Hausärzte fragten verstärkt nach seelischen Belastungen, und besonders jüngere Menschen hätten keine Scheu, sich in eine Therapie zu begeben. Die Psychotherapie erreiche inzwischen breitere Bevölkerungskreise, "nicht mehr nur die obere Mittelschicht".

Über den Mangel an Therapeuten seien sich die Verbände mit den Krankenkassen zwar einig. Das größte Problem sei aber die Finanzierung von zusätzlich 1600 Praxen, sagte Konitzer. Die NRW-Kammer geht von einem zusätzlichem Honorarbedarf in Höhe von insgesamt 120 Millionen Euro aus. Eine frühzeitige Behandlung könne zu einer schnelleren Reintegration ins soziale Leben und Arbeitsfähigkeit führen und somit Kosten senken.

Wie viele Ärzte oder Psychotherapeuten sich in einem Gebiet niederlassen dürfen, regelt die Bedarfsplanungsrichtlinie. Diese soll bis Anfang kommenden Jahres überarbeitet werden. - lnw

Quelle: wa.de

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