Stichtag 12. Juli

Möhnesee: "Badewanne des Ruhrgebiets" wird 100

MÖHNESEE - Der Möhnesee sorgt als Wasserspeicher dafür, dass die Trinkwasser-Versorgung im Ruhrgebiet gesichert ist. Außerdem ist der See ein beliebtes Ausflugsziel. Vor 100 Jahren wurde die damals größte Talsperre Europas eingeweiht.

Von Jörg Taron

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Wasserspeicher, Kraftwerk, Ausflugsziel und Naturschutzgebiet: Der Möhnesee im Sauerland hat viele Gesichter. Vor 100 Jahren, am 12. Juli 1913, wurde die damals größte Talsperre Europas nach fünfjähriger Bauzeit eingeweiht. Der Wasserspeicher sollte dafür sorgen, dass die Ruhr auch in trockenen Phasen genügend Wasser führt - vor allem für die Schwerindustrie im Ruhrgebiet mit ihrem enormen Wasserbedarf. 1943 wurde die Staumauer von britischen Bombern zerstört. Eine zerstörerische Flutwelle ergoss sich bis ins Ruhrgebiet, mindestens 1500 Menschen starben.

Heute ist die Möhnetalsperre nach dem Biggesee der wichtigste Wasserspeicher, mit dem die sichere Trinkwasserversorgung der Bevölkerung im Ruhrgebiet garantiert wird. Doch der Möhnesee, den die Verantwortlichen damals als "lieblichen Waldsee" bezeichnet haben sollen, wurde schnell auch für die Menschen aus dem Pott zum Ausflugsziel und zu ihrer ganz persönlichen Badewanne. Rund um den Stausee entstanden Campingplätze und Ferienhaus-Siedlungen.

Die Planungen für den Stausee begannen bereits 1904. 700 Menschen zwischen den Orten Günne und Wamel mussten Haus und Hof verlassen. Nach Angaben des Ruhrverbandes in Essen kostete die Talsperre die für damalige Verhältnisse gigantische Summe von 25 Millionen Goldmark. Der Bau der Mauer war aber auch ein körperlicher Kraftakt, an dem mehrere hundert Maurer beteiligt waren. Aus historischen Unterlagen geht hervor, dass jeder von ihnen pro Tag durchschnittlich drei Kubikmeter Steine verarbeitete. Insgesamt hat die 650 Meter lange und an der höchsten Stelle mehr als 40 Meter hohe Staumauer ein Volumen von mehr als einer Viertelmillion Kubikmeter.

Auf der einen Seite verloren die Menschen zwar ein Stück ihrer Heimat an den See, sie bekamen aber einiges zurück: Weil ein Großteil der Baumaterialien per Eisenbahn zur Baustelle transportiert wurde, bekam das abgelegene Möhnetal einen eigenen Gleisanschluss.

Bevor der See 1913 aufgestaut wurde, mussten weitere große Brücken im Tal errichtet werden, die den bis zu 36 Meter tiefen und 10 Kilometer langen See überspannen sollten. Voll gestaut hat der Möhnesee eine Fläche von mehr als 10 Quadratkilometern und fasst 135 Millionen Kubikmeter Wasser. Bei starken Regenfällen soll der See einen Teil der Niederschläge zurückhalten. Wichtiger ist jedoch die Funktion für die Trinkwasser-Gewinnungsanlagen entlang der Ruhr. In Trockenphasen wird mit dem Möhnewasser der Pegel der Ruhr künstlich reguliert.

Bis heute wird an der Staumauer Strom aus Wasserkraft gewonnen. Sobald die Schieber geöffnet werden, um die Ruhr aufzufüllen, laufen die Turbinen. Damit können rund 3000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Viele Flächen rund um den See stehen unter Naturschutz, der See ist Rast- und Brutplatz von Zugvögeln. Dennoch können Segler und Windsurfer den See für ihr Hobby nutzen. Und auch ein großes Ausflugsschiff darf fahren. Die vom Architekten Franz Brantzky entworfene Bruchstein-Staumauer mit den markanten Torbögen steht heute unter Denkmalschutz.

Vor 70 Jahren wurde die Möhne zum Ziel alliierter Bomberpiloten. Mit einer eigens zum Zweck der Zerstörung der Talsperre entwickelten Rollbombe wurde der Damm in der Nacht zum 17. Mai 1943 zertrümmert. Eine Bombe riss eine 77 Meter breite und 22 Meter tiefe Lücke in die Staumauer. Mehr als 100 Millionen Kubikmeter Wasser sorgten bis ins Ruhrgebiet für Verwüstungen, laut Ruhrverband verloren mindestens 1500 Menschen ihr Leben. Das NS-Regime schickte Tausende Zwangsarbeiter zum Wiederaufbau an die Möhne. Schon nach fünf Monaten war die Mauer repariert, der See konnte wieder aufgestaut werden.

Die Bedeutung des Sees für die Trinkwasser-Versorgung wurde 2006 deutlich, als die Industriechemikalie PFT im Wasser der Möhne entdeckt wurde. Auf Feldern im Einzugsgebiet der Talsperre waren als Bodenverbesserer deklarierte Industrieabfälle illegal entsorgt worden. Fische aus dem See sollten nicht mehr auf dem Teller landen und noch heute laufen an den betroffenen Feldern Filteranlagen, um ein weiteres Auswaschen der als krebserregend geltenden Chemikalie zu verhindern.

Quelle: wa.de

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