Millionengrab am Rheinufer: Prozess um Riesen-Pleite des Bonner WCCB

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Will kein Sündenbock sein: Angeklagter Man-Ki Kim im Gerichtssaal.

BONN - Er soll der Hauptverantwortliche für einen der größten Bauskandale der vergangenen Jahre sein: Man-Ki Kim. Der 51-jährige Koreaner ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Schuld am Millionendesaster bei der Errichtung des World Conference Center Bonn (WCCB). Betrug, Untreue und Bestechung wirft ihm die Bonner Strafverfolgungsbehörde vor. Von Erich Reimann

Seit neun Monaten sitzt er deshalb in der Kölner Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Doch beim Prozessauftakt am Freitag im Saal S 0.11 des Bonner Landgerichts ist dem 51-Jährigen nichts von der Last anzumerken. Im dunklen Anzug mit hellem Hemd und roter Krawatte wirkt der Manager selbstbewusst und gelassen, als er zwischen einer Dolmetscherin und einem seiner Verteidiger Platz nimmt – so als säße er bei einem normalen Geschäftsmeeting.

Der Koreaner könnte diesen Tag nutzen, um seine Version der Geschichte zu erzählen. Doch er tut es nicht. Er lässt lieber seinen Verteidiger Walther Graf reden. Und der nutzt die Gelegenheit zu einer deftigen Abrechnung mit der Staatsanwaltschaft.

Sein Mandant habe im November 2010 im Vertrauen auf eine faire Behandlung durch die deutsche Justiz auf Rechtsmittel gegen die Auslieferung durch die USA verzichtet. Doch dieses Vertrauen sei enttäuscht worden. „Jetzt hat er den Eindruck, dass er zum strafrechtlichen Sündenbock gemacht werden soll“, sagte der Verteidiger.

Staatsanwalt Ulrich Stein hatte zuvor den Koreaner beschuldigt, er habe seiner Firma SMI Hyundai Corporation den Auftrag für das 140-Millionen-Euro-Projekt mit List und Tücke erschlichen. Er habe wahrheitswidrig den Eindruck erweckt, hinter ihm stehe der koreanische Riesenkonzern Hyundai.

Dabei verfügte SMI laut Staatsanwaltschaft „nicht einmal ansatzweise“ über die notwendigen Mittel, um auch nur das für das Projekt geforderte Eigenkapital in Höhe von 40 Millionen Euro aufzubringen. Verteidiger Graf allerdings sieht das anders. Die Behauptung, die Verantwortlichen der Stadt seien Opfer eines Betrügers geworden, sei eine Bonner Wunschvorstellung, sagte der Rechtsanwalt. In Wahrheit sei die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann froh gewesen, dass sie einen Dummen für das Projekt gefunden habe. Die Behauptungen, der Koreaner habe nur abkassieren wollen, widersprächen der Realität.

Das WCCB gilt als bislang größter Bauskandal in der Geschichte der ehemaligen Bundeshauptstadt. Das vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt sollte eigentlich die Rolle Bonns als deutscher Standort für die Vereinten Nationen stärken. Doch das Projekt wurde zum Millionengrab. Die Kosten für das Konferenzzentrum, dass die Stadt Bonn ursprünglich keinen Cent kosten sollte, werden mittlerweile auf bis zu 300 Millionen Euro geschätzt. - dapd

Quelle: wa.de

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