Daten, Zahlen und Beispiele

Steuer-Ärger: Mehr Kirchenaustritte in NRW

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NRW - Den großen Kirchen in Nordrhein-Westfalen haben 2014 mehr Menschen den Rücken gehrt als im Jahr zuvor. Schuld an den gestiegenen Austrittszahlen ist wohl eine vergleichsweise kleine Veränderung bei der Kirchensteuer.

Die Zahl der Kirchenaustritte in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Evangelische Kirche im Rheinland, mit rund 2,7 Millionen Mitgliedern zweitgrößte Landeskirche in Deutschland, rechnet mit einer Zunahme der Austrittszahlen um rund 50 Prozent im Vergleich zu 2013. Damals hatten rund 19 000 Männer und Frauen der Kirche den Rücken gekehrt.

Auch die westfälische Landeskirche meldet steigende Austrittszahlen für 2014. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres hätten rund 7000 Mitglieder die Kirche verlassen, sagte ein Sprecher. Das sei mehr als die Hälfte der gesamten Austritte im Jahr 2013. Damals gab es rund 13.000 Austritte.

In beiden Landeskirchen wird vermutet, dass die Umstellung beim Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge zum Anstieg der Austrittszahlen beigetragen haben könnte. "Tatsächlich müssen wir davon ausgehen, dass nicht wenige Austritte durch das automatisierte Einzugsverfahren ausgelöst wurden", sagte Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Auch Andreas Duderstedt, Pressesprecher der westfälischen Landeskirche, sieht im neuen Einzugsverfahren einen Grund für den Anstieg der Austrittszahlen: "Dann wäre es auch die Folge einer mangelnden und späten Kommunikation". Belegen lasse sich das aber nicht. Mit der Erhebung direkt bei den Banken sei "nicht etwa eine neue, versteckte Kirchensteuer eingeführt worden, sondern das Verfahren ist einfacher als vorher".

Von den katholischen Bistümern in NRW gibt es noch keine Zahlen zu Kirchenaustritten. Aber auch in der katholischen Kirche dürfte es einen Anstieg gegeben haben, wie Zahlen von Amtsgerichten vermuten lassen. In der Landeshauptstadt Düsseldorf traten demnach im vergangenen Jahr 2420 Mitglieder aus der katholischen Kirche aus, etwa 500 mehr als im Jahr zuvor. Die evangelische Kirche verlor in Düsseldorf 1850 Mitglieder, ebenfalls etwa 500 mehr als 2013.

In Köln, der größten Stadt in Nordrhein-Westfalen, wird die Zahl der Austritte aus katholischer und evangelischer Kirche zusammen auf etwa 7500 geschätzt. Das sind laut Amtsgericht etwa 1000 mehr als 2013. Ähnlich ist die Entwicklung in Essen: 2459 Menschen gaben ihre Austrittserklärung im Amtsgericht ab, 2013 waren es 1583. In Bielefeld stieg die Zahl der Austritte von 1497 im Jahr 1913 auf 2044 im vergangenen Jahr. In Münster erklärten im vergangenen Jahr 1789 Gläubige ihren Austritt, 2014 waren es schon 2025. - dpa

Quelle: wa.de

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