Was lagerte wirklich im explodierten Haus in Bielefeld?

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BIELEFELD - Ein Haus fliegt in die Luft, und Raketen malen Farben in den Himmel. Jetzt rätselt die Polizei. Was lagerte wirklich in dem Haus in einem Bielefelder Wohngebiet? Wie viele Böller und Raketen sind notwendig, um ein halbes Gebäude abrissreif zu sprengen?

Von Matthias Benirschke

Nach der spektakulären Explosion eines privaten Feuerwerkslagers in Bielefeld ist der schwer verletzte Wohnungsinhaber nicht mehr in Lebensgefahr. Sein Zustand habe sich stabilisiert, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Die Ursache der Explosion sei noch unklar. Das Zweifamilienhaus sei einsturzgefährdet. Darum sei man noch nicht zu dem völlig zerstörten Kelleranbau vorgedrungen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Sprengstoffspürhunde suchten die umliegenden Grundstücke ab.

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Für Augenzeugen war es wie eine Mischung aus Silvesterfeuerwerk im Juni und Bürgerkrieg. Zur späten Mittagszeit schepperten am Sonntag im Bielefelder Stadtteil Schildesche Scheiben, ohrenbetäubende Explosionen trieben die Anwohner scharenweise auf die Straße. Im Umkreis von mehr als 100 Metern lagen faustgroße Steine auf der Straße. Zugleich malten Silvesterraketen rote und grüne Lichtblitze in den wolkenverhangenen Himmel oder jagten in Kopfhöhe waagerecht durch die Straßen. Blauer Rauch nebelte das Viertel ein.

Am Tag danach wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Der massive Anbau hinter dem Haus ist in sich zusammengefallen. Feuerwehrleute stapfen über Schutt und Trümmer, spritzen Wasser auf den Löschschaum. In der Giebelwand gähnt ein großes Loch, ein Fenstersturz hängt bedrohlich schief, ein Balken ragt sinnlos und ohne Halt ins Nichts.

Der schwer verletzte Wohnungsinhaber ist mit schweren Verbrennungen und Beinverletzungen zur Behandlung in eine Spezialklinik nach Hannover geflogen worden. Der 42-Jährige hatte die Genehmigung zum nicht-gewerblichen Umgang mit Pyrotechnik der Klassen I bis IV, also vom Silvesterknaller bis zum Großfeuerwerk, sagte Jürgen Kley vom Ordnungsamt.

Wenn man den Kelleranbau als eigenes Gebäude ohne Wohnraum einstuft, hätte der Mann dort bis zu zehn Kilogramm Feuerwerk der Klassen I und II sowie fünf Kilo der Klassen III und IV kurzfristig lagern dürfen, sagte Kley. In einem Gebäude mit Wohnraum dagegen deutlich weniger. Es sei kein Feuerwerk in Bielefeld für die nächsten zwei Wochen angemeldet gewesen.

Der Pyrotechniker Markus Katterle von der Bielefelder Firma Flash Art zeigte sich erstaunt über das Ausmaß der Zerstörung. "Wenn in legalen Mengen Silvesterfeuerwerk dort gelagert worden wäre, dann wäre so eine Explosion nicht möglich gewesen", sagte Katterle der Nachrichtenagentur dpa.

Experten des Landeskriminalamts untersuchten nun die Unglücksstelle, sagte Knut Packmohr von der Kripo. Der Explosionsort konnte dabei nur vom Rande aus begutachtet werden. Ein Polizeihubschrauber machte Fotos. Sprengstoffspürhunde suchten in den umliegenden Gärten nach weiteren Raketenteilen. Überall lagen feste, mehr als 20 Zentimeter lange Papprollen, aus denen Pulver rieselte.

Im Obergeschoss des Hauses lebten der 42-Jährige, seine gleichaltrige Lebensgefährtin und die 14 Jahre alte Tochter, im Erdgeschoss seine Schwiegermutter. Die 66-Jährige verletzte sich bei der Flucht durch ein Fenster und musste ins Krankenhaus. Die anderen beiden sowie mehrere Nachbarn wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung beobachtet, blieben ansonsten aber unverletzt.

Quelle: wa.de

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