Neue Warnungen

NRW drohen am Dienstag weitere heftige Gewitter

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Zwei Autos stehen auf einer überfluteten Straße in Münster.

[UPDATE, 13.39 Uhr] MÜNSTER/GREVEN - Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume: Erneut haben heftige Gewitter mit starkem Regen Nordrhein-Westfalen heimgesucht. Besonders betroffen war die Region Münster. Es gab mindestens zwei Tote. Und für Dienstag drohen schon neue Starkregenfälle

In Nordrhein-Westfalen drohen am Dienstag weitere Gewitter mit Starkregen. Vor allem die südlichen Landesteile von der Eifel bis zum Rothaargebirge seien betroffen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag in Essen mit.

Dort wird bis Mitternacht mit 30 bis 60 Litern Regen pro Quadratmeter gerechnet. In den übrigen Landesteilen erwarten die Experten ebenfalls Gewitter mit Starkregen, aber in geringerem Ausmaß.

Am Montag hatte ein Unwetter vor allem die Region Münster getroffen. In einem Gebiet von 30 Kilometern Durchmesser waren dort laut DWD bis zu 150 Liter Regen heruntergekommen.

In dieser Region ertrank ein Mann in einem überfluteten Keller. Zudem forderte der Starkregen im Münsterland hat ein zweites Todesopfer. Das Fahrzeug eines verunglückten Mannes sei nach bisherigem Kenntnisstand von einem über die Ufer getretenen Bach mitgerissen worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Münster am Dienstag. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei hätten das Fahrzeug mit dem Toten am Dienstag jenseits einer parallel zur Autobahn 1 verlaufenden Straße kurz vor dem Kreuz Münster Nord entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer von der völlig überschwemmten Fahrbahn abgekommen sei. Die Identität des Toten sowie die genaue Todesursache sind noch ungeklärt.

In der Innenstadt von Münster stürzte ein Baum auf ein Auto. Eine Frau darin wurde lebensgefährlich verletzt. In der 36-000-Einwohner-Stadt Greven registrierte die Feuerwehr am Abend bereits mehr als 500 Notrufe, meistens wegen vollgelaufener Keller. Die Polizei sperrte die Innenstadt für den Verkehr. Über Verletzte wurde dort zunächst nichts bekannt. Umgestürzte Bäume blockierten im Ruhrgebiet eine S-Bahn-Strecke.

Straßenunterführungen in Münster standen nach heftigem Regen mitunter mehr als 60 Zentimeter hoch unter Wasser, sagte ein Polizeisprecher. Mehrere Autos blieben liegen und behinderten den Verkehr. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. "Derzeit zuckt hier ein Blitz nach dem anderen durch den Himmel und es schüttet wie aus Eimern", sagte ein Augenzeuge gegen 19.45 Uhr. Betroffen waren auch Universitätsgebäude. Ein Mitarbeiter berichtete, dass im Keller des Instituts für Kernphysik das Wasser über 50 Zentimeter hoch gestanden habe. Mehr als 1000 Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. Die Telefonleitungen seien völlig überlastet gewesen, hieß es am Dienstagmorgen. 800 Retter waren im Dauereinsatz.

Ein umgestürzter Baum liegt nach einem Unwetter in Münster auf einem Auto.

In Greven regnete es fast zwei Stunden lang. "Bei 50 Millimeter ist der Messbehälter übergelaufen", sagte Hobby-Meteorologe Helmut Kämmerling den "Westfälischen Nachrichten". Auch sein Keller war überschwemmt. Bei einem Nachbarn sogar über einen Meter hoch, wie er der dpa sagte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schätzte am Abend nach der Auswertung von Radarbildern die Regenmengen in Greven und Ahaus auf mindestens 60 Liter pro Quadratmeter für einen Zeitraum von sechs Stunden. An einer Stelle seien nördlich von Münster zwischen 16 und 17 Uhr mehr als 40 Liter Regen gefallen, sagte ein Sprecher in Offenbach.

Die Gewitter waren von Süden her über das Land gezogen. Bereits am Nachmittag hatten Blitze in Schwalmtal am Niederrhein zwei Dachstühle in Brand gesetzt. In Hennef nahe Bonn traf ein Blitz ebenfalls einen Dachstuhl. Auch dort konnte die Feuerwehr den Brand löschen. Verletzt wurde an beiden Orten niemand.

Ein Mann räumt nach einem Unwetter in Münster abgebrochene Äste von der Straße.

Auch das Ruhrgebiet bekam ordentlich was ab: Im Bochumer Süden reichten wenige Minuten Starkregen, um Kellerräume, Wohnungen und Straßen unter Wasser zu setzen. Insgesamt musste die Feuerwehr mehr als 100 Mal ausrücken. Auch das Technische Hilfswerk war im Einsatz, wie die Stadt berichtete.

Zwischen Essen und Bochum stürzten Bäume auf die Gleise der S-Bahn-Linie S1. Die Bahn richtete auf diesem Abschnitt einen Busnotverkehr ein, wie das Unternehmen online mitteilte. Am Abend war nicht absehbar, wie lange die Strecke blockiert sein würde.

Aktuell hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Ort mit der höchsten gemessenen Regenmenge in Deutschland veröffentlicht. Dieser Ort liegt allerdings nicht in NRW, sondern in Baden-Württemberg. Von Montag (8 Uhr) bis Dienstag (8 Uhr) fielen an der Station Emmingen-Liptingen, südöstlich von Tuttlingen in Baden-Württemberg gelegen, 109 Liter Regen pro Quadratmeter (l/m²). Das entspricht damit in nur 24 Stunden etwa der eineinhalbfachen Menge, die sonst im gesamten Monat Juli zu erwarten sein.  

Starkregen im Hochsommer keine Seltenheit

Schwere Wärmegewitter mit Starkregen sind im Juli und August keine Seltenheit. Je größer die Hitze am Boden ist, umso heftiger sind in der Regel die Sommergewitter. Ursache für diese meist örtlich begrenzte meteorologische Erscheinung ist feuchte Luft in Bodennähe, die durch die Sonne erhitzt wird. Die Luft steigt nach oben und bildet eine Gewitterwolke.

Entladen sich die elektrischen Spannungen mit Blitz und Donner, wird es oft innerhalb kurzer Zeit sehr windig. Bei Wolkenbrüchen fällt meist für kurze Zeit Starkregen mit oft katastrophalen Folgen. Hohe Regenmengen mit zum Beispiel fünf Litern pro Quadratmeter in fünf Minuten sind möglich.

Wenn Meteorologen von Starkregen sprechen, müssen mindestens 15 Liter Regen pro Stunde oder 20 Liter in sechs Stunden pro Quadratmeter fallen. Ab 40 Liter pro Stunde und 60 Liter in sechs Stunden herrscht laut Definition extrem heftiger Starkregen. Er tritt während Sommergewittern auf oder bei langsamen weiterziehenden Regenfronten oder Tiefdruckgebieten.

Starkregen in NRW immer häufiger

Nach einer Auswertung des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen treten Starkregen in NRW immer häufiger auf. Das hängt mit Klimaveränderungen zusammen. Seit mehr als 100 Jahren hat sich in NRW die durchschnittliche Jahrestemperatur um 1,1 Grad auf 9,1 Grad und die Niederschlagsmenge um mehr als 100 Liter auf 916 Liter erhöht. - dpa/lnw, WA

Quelle: wa.de

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