So gaben sich die Angeklagten zum Auftakt

Männer aus Hemer und Soest auf der Anklagebank: "Auf keinen Fall" zu den Vorwürfen äußern

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Der Wagen des Mannes aus Hemer geriet in den Gegenverkehr.

Balve/Arnsberg – Eine getötete Frau und vier Schwerverletzte – das war die Bilanz eines schweren Autounfalls am 1. August 2018 auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum. Der mutmaßliche Verursacher muss sich seit gestern im Arnsberger Landgericht verantworten. Er schwieg zum Auftakt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-Jährigen aus Hemer die Beteiligung an einem verbotenen Autorennen, einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung mit Todesfolge und vierfache fahrlässige Körperverletzung vor. Die nicht getöteten Insassen des voll besetzten VW Golf wurden teilweise mit lebensgefährlichen Verletzungen in umliegende Krankenhäuser geflogen. 

Dem Angeklagten droht nun eine mehrjährige Haftstrafe. Zum Auftakt des Prozesses äußerte sich der Angeklagte noch nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Constantin Kirschbaum aus Soest kündigte allerdings für den zweiten Verhandlungstag eine Erklärung an.

Gefährliche Duelle - auch an den Tagen vor dem Unfall

Dem mitangeklagten 57-Jährigen aus Soest wirft die Staatsanwaltschaft Unfallflucht und die Beteiligung an dem illegalen Rennen vor. Nach der Kollision des Audi Q5 seines Mitangeklagten mit dem VW Golf soll er sich ohne Aufklärung des Sachverhalts und seiner möglichen Beteiligung entfernt haben. Die Anklage listet darüber hinaus weitere gefährliche Straßenduelle auf, die sich die beiden Angeklagten in den Tagen vor dem schrecklichen Unfall geliefert haben sollen.

Die Angeklagten vor Gericht

Rechtsanwalt Volker Cramer, Verteidiger des 57-Jährigen aus Soest, erklärte, dass sich der Porschefahrer „heute auf keinen Fall" zu den Vorwürfen äußern werde. Die naheliegende Schlussfolgerung, dass auch sein Mandant sich zu einem späteren Termin zu Wort melden werde, wies er postwendend zurück: „Mein Mandant wird grundsätzlich nichts dazu sagen." 

Bemühungen um eine Klarstellung

Mit Blick auf die vollständig gefüllten Zuschauerreihen im Gerichtssaal bemühte sich der Anwalt aber um die Klarstellung, dass sein Mandant zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls nicht in die Kollision auf der B229 verwickelt war: „Meinem Mandanten wird kein Vorwurf eines Körperverletzungsdeliktes gemacht."

Eine Frau kam ums Leben.

Die Anklage war bereits von der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg mit der Maßgabe eröffnet worden, dass der schwerwiegende Vorwurf der Verursachung des Todes eines Menschen sowie schwerer Gesundheitsfolgen anderer Menschen nur gegenüber dem jüngeren Angeklagten erhoben wird. 

Verursacher mit mehr als einem Promille unterwegs

Der 42-Jährige soll zum Unfallzeitpunkt mit mehr als einem Promille Alkohol im Blut und stark überhöhter Geschwindigkeit den Porsche seines 57-Jährigen Mitangeklagten überholt haben. In einer langgestreckten Kurve übersah er dabei den entgegenkommenden Golf, in dem sich fünf Personen befanden. Der Angeklagte habe bei seinem halsbrecherischen Überholmanöver „die Schädigung Anderer billigend in Kauf genommen", heißt es in der Anklage.

Der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel wies auch auf dem Hintergrund des großen Medien- und Publikumsinteresses darauf hin, dass „die Kammer die Unschuldsvermutung schätzt" und „völlig unbefangen" in die bevorstehende Beweisaufnahme gehe. Acht Verhandlungstage haben sich die Richter dafür zunächst reserviert. Schon am zweiten Verhandlungstag, dem 22. Mai, will sich die Gerichtskammer bei einem Ortstermin ein Bild vom Ort des Unglücks zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum machen.

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Quelle: wa.de

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