Machtkampf in der CDU um Rüttgers‘ Erbe

In der NRW-CDU ist ein Machtkampf um das Erbe von Jürgen Rüttgers entfacht.

DÜSSELDORF ▪ In der CDU in Nordrhein-Westfalen gärt es. Nachdem Jürgen Rüttgers am vergangenen Samstag seinen Verzicht auf eine Kampfabstimmung gegen SPD-Chefin Hannelore Kraft bei der Ministerpräsidenten-Wahl erklärt hat, ist die Zeit der Zurückhaltung vorbei. Rüttgers‘ potenzielle Erben bringen sich nun eilig in Stellung und liefern sich intern einen Machtkampf.

Der interessanteste Posten, den die CDU in der bevorstehenden Oppositionszeit derzeit zu vergeben hat, ist der Vorsitz der CDU-Landtagsfraktion. Drei Bewerber kamen dafür nach parteiinternen Einschätzungen in Betracht, einer hat gestern überraschend zurückgezogen.

Andreas Krautscheid – Ex-Europaminister und Ex-Regierungssprecher – erklärte vor der CDU-Fraktion seinen Verzicht auf dieses Amt; obwohl es offiziell gar keine Aussprache zu dem Thema gab. Der enge Rüttgers-Vertraute Krautscheid war zuvor tagelang in den Medien als heißer Anwärter gehandelt worden. Der 49-Jährige zog es nun aber vor, aus diesen Spekulationen die Luft heraus zu lassen. Seine offizielle Begründung für den Verzicht: Er sei erst vor drei Monaten mit einem Ergebnis von 99 Prozent von seiner Partei zum Generalsekretär gewählt worden. Beobachter sehen darin dennoch Kalkül und fürchten, dass die beiden Rheinländer Krautscheid und Armin Laschet (Noch-Familienminister) einen Komplott geschmiedet haben könnten. Demnach würde Krautscheid jetzt den Weg für Laschet an der Fraktionsspitze freimachen, um selbst im kommenden Jahr Jürgen Rüttgers als Chef der Landespartei abzulösen. Bei der nächsten turnusgemäßen Landtagswahl käme dann kaum jemand an ihm als Spitzenkandidat vorbei. Krautscheid wäre dann neuer König in der Union.

Doch der Machtkampf ist längst nicht entschieden. Bei der Besetzung des Chefpostens der Landtagsfraktion wird es nach internen Einschätzungen wohl zu einer Kampfkandidatur kommen: Auch Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann werde seinen Hut in den Ring werfen. Laumann, ebenfalls ein Rüttgers-Vertrauter, ist beliebt bei der Basis. „Gerade in der Opposition ist er der richtige Mann. Laumann kann ein kraftvolles Wort sagen und damit die Konturen der CDU in der derzeit undurchsichtigen Lage schärfen. Er ist auch kompromissfähig“, schwärmte ein hochrangiger CDU-Funktionär – der freilich ein Westfale ist. ▪ Von Detlef Burrichter

Quelle: wa.de

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