Loveparade-Strafprozess hat begonnen - Gericht unter Zeitdruck

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Düsseldorf - Gut sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg mit 21 Toten hat in Düsseldorf der Strafprozess gegen zehn Beteiligte begonnen. Er dürfte einer der umfangreichsten Strafprozesse der Nachkriegszeit werden. Dem Gericht sitzt die Zeit im Nacken.

  • In gut zweieinhalb Jahren verjähren die Vorwürfe.
  • Loveparade-Gründer Dr. Motte erwartet eine "lückenlose Ausklärung".
  • 45 Besucher waren beim ersten Prozesstag.
  • Die Anklageschrift umfasst 556 Seiten.

Der erste Prozesstag startete mit etwa 30 Minuten Verspätung. Ein Sprecher des Duisburger Landgerichts nannte dafür "organisatorische Gründe". Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Mammutprozess zum Loveparade-Unglück beginnt

Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren in einem Gedränge am einzigen Zu- und Abgang der Technoparade 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren erdrückt worden. Mindestens 652 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Verhandlung in Düsseldorfer Kongresshalle verlegt

Das Landgericht Duisburg hat die Hauptverhandlung aus Platzgründen in eine Kongresshalle nach Düsseldorf verlegt. Rund 500 Menschen finden darin Platz.

Die Angeklagten werden von 32 Juristen verteidigt. Der Anklage haben sich 65 Nebenkläger angeschlossen. Sie werden von weiteren 38 Anwälten vertreten. Eine der Nebenklägerinnen ist Gabi Müller aus Hamm. Die 60-Jährige hat damals ihren Sohn in Duisburg verloren.

45 Besucher hatten sich am Freitag zu Beginn im Saal eingefunden, das Gericht hatte mit einem wesentlich größeren Andrang gerechnet. Insgesamt 234 Plätze sind für Besucher reserviert. Ein vierköpfiges Notfallseelsorge-Team stand am ersten Tag als Beistand für Angehörige, Traumatisierte und Besucher bereit.

Anklageschrift umfasst 556 Seiten

Die Anklageschrift umfasst 556 Seiten. Die Staatsanwaltschaft Duisburg spricht darin von schwerwiegenden Fehlern bei Planung und Genehmigung. Auch seien Sicherheitsauflagen nicht überwacht worden. Im Prozess verlesen werden sollen aber nur 23 Seiten.

Der vorsitzende Richter Mario Plein.

Nach den Worten von Gerichtssprecher Matthias Breidenstein war zunächt unklar, ob die Anklage am ersten Tag verlesen werden kann: "Ob das heute der Fall sein kann, bleibt abzuwarten, da möglicherweise mit Anträgen der Verteidigung zu rechnen ist, die das verhindern könnten."

Das Gericht steht unter Zeitdruck

Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe. Der große Umfang des Verfahrens spiegelt sich auch in der Menge der Akten wider: Die sogenannte Hauptakte, die beim Prozess in Griffweite der Richter steht, umfasst derzeit 117 Bände mit 53 500 Seiten.

Alles zum Loveparade-Unglück hier

Hinzu kommen rund 1000 Ordner mit Beweismitteln und weiteren Unterlagen sowie rund 1000 Stunden Videomaterial mit den Aufnahmen von Überwachungskameras und Handys.

Die Nebenklägerin Gabi Müller redet mit einer anderen Nebenklägerin im Prozesssaal

Nicht angeklagt sind der später abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sowie der Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller ("McFit"), der einige Jahre vor dem Unglück über sein Tochterunternehmen Lopavent die Rechte an der Loveparade erworben hatte. Beide sollen im Verlauf des Prozesses als Zeugen aussagen.

Loveparade-Gründer verlangt lückenlose Aufklärung

Der Gründer der Loveparade, der Musiker Dr. Motte, erwartet vom Loveparade-Strafprozess eine "lückenlose Aufklärung" des Unglücks. "Das ist das, was die Eltern wollen, und das ist das Wichtigste", sagte der 57-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh heißt, der Deutschen Presse-Agentur.

Loveparade-Erfinder Dr. Motte

Es sei gut, dass der Prozess jetzt beginne und die lange Wartezeit vorbei sei. Es sei allerdings ein Problem, dass im Juli 2020 die Vorwürfe verjährten. "Deshalb gibt es jetzt Riesendruck." - dpa

Neues Gutachten wirft Planern der Loveparade Fehler vor

Quelle: wa.de

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