Freitag könnte alles vorbei sein

Gibt es noch eine Chance für Kettler? Das sagt die Geschäftsführung

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Am Freitag demonstrierten die Kettler-Mitarbeiter gegen ihre drohende Entlassung.

Werl/Ense - Beim Freizeitartikelproduzenten Kettler drohen am Freitag dieser Woche die Lichter endgültig auszugehen. Gelingt es nicht, die Heinz-Kettler-Stiftung an einer „Brückenfinanzierung“ zu beteiligen, wird  der Geschäftsbetrieb eingestellt und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen.

Das geht aus einer am Dienstag verbreiteten Erklärung der Geschäftsführung hervor, in der es neben großer Sorge noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt.

Dramatischer kann das alles nicht mehr sein. Dabei ist die Lage nicht einmal hoffnungslos. Denn nach Mitteilung der Unternehmensleitung liege sehr wohl unverändert ein Investoren-Interesse vor. Um dieses weiter zu prüfen, wird zwischen Stiftung, Eigenverwaltung und dem Sachwalter eine Zwischenfinanzierung diskutiert, „die kurzfristig gegeben werden muss, um eine weitere Betriebsfortführung zu finanzieren“, heißt es in der Mitteilung.

Zustimmung der Stiftung muss vorliegen

Die Kettler GmbH könne in dieser vertrackten Situation neue Verbindlichkeiten – auch Löhne und Gehälter – nur eingehen, wenn dieser Zwischenfinanzierung stattgegeben werde. Eine dafür notwendige Zustimmung der Heinz-Kettler-Stiftung müsse bis Donnerstag vorliegen. Parallel hat das Land Nordrhein-Westfalen – und hier konkret das Wirtschaftsministerium – alle Beteiligten, insbesondere Stiftungsvorstand und Kuratorium, zu einem finalen Moderationsversuch nach Düsseldorf eingeladen.

Hier ist das Zeitfenster noch kleiner, denn dieses Gespräch soll bis spätestens Mittwoch stattgefunden haben. „Der Erfolg dieser Gespräche setzt ein Erscheinen der Heinz-Kettler-Stiftung zu diesem Termin zwingend voraus“, klingt in der Pressemitteilung die Sorge durch, das Kuratorium könne die Einladung ignorieren. Die mehr als 700 Beschäftigten will die Geschäftsführung gleichwohl nicht im Unklaren lassen.

Geschichte Kettler könnte enden

Wenn bis Ende der Woche keine Einigung und eine entsprechende Zwischenfinanzierung erfolge, ende die Geschichte der Firma Kettler. Bestätigt wird, dass der Belegschaft angeboten wurde, das Unternehmen mit einer „unwiderruflichen Freistellung“ direkt zu verlassen. Der Geschäftsbetrieb werde in dieser Woche für die gesamte Belegschaft „weiter aufrecht erhalten“.

Aber da ist noch dieser Hoffnungsschimmer. „Sollte es der Kettler GmbH gelingen, insbesondere die Heinz-Kettler-Stiftung zu überzeugen und damit eine Brückenfinanzierung möglich werden, könnten die Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren geführt und dem gesamten Unternehmen die Hoffnung auf eine Zukunft gegeben werden“, schreibt die Geschäftsführung.

Befugnisse des Vorstands geändert

In der Belegschaftsversammlung am Montag hatte Geschäftsführer Olaf Bierhoff die Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate aufgezeigt. Bemerkenswert dabei vor allem dies: Als dem dreiköpfigen Kuratorium der Stiftung klar wurde, dass der Stiftungsvorstand sehr wohl bereit sein würde, die finanzielle Unterstützung zu gewähren, habe das Aufsichtsgremium kurzerhand „die Vertretungsbefugnisse der Vorstände der Stiftung geändert und so ein Mitwirken des Vorstands vereitelt“, heißt es in der Pressemitteilung der Geschäftsführung.

Olaf Bierhoff ging in der Versammlung in der Bremer Schützenhalle ins Detail, berichtete, dass der zwischenzeitlich diskutierte Vergleichsvorschlag vorsah, „dass die Heinz-Kettler-Stiftung einen Barbetrag leistet und die Markenrechte zur Verfügung stellt“. Damit, so Bierhoff, „sollten alle anderen Ansprüche gegen die Stiftung abgegolten sein. Vorteil für die Stiftung: Sie hält ihre Immobilien lastenfrei zurück und hält die Kettler GmbH als langfristigen Mieter“.

Appell vom Werler Bürgermeister

In einem dramatischen Appell haben Werls Bürgermeister Michael Grossmann und der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende bei Kettler, Antonio Salerno, die Stiftung aufgefordert, ihren Teil zur Rettung des Unternehmens zu leisten. Salerno zeigte sich im Anzeiger-Gespräch überzeugt, dass die Aussage der Stiftung, rechtlich nicht anders handeln zu können, nichts als eine Schutzbehauptung sei.

Quelle: wa.de

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