Liesa Schulte: Leichenspürhunde haben angeschlagen

WERL - Es gibt kaum noch Hoffnung, die vermisste Liesa Schulte aus Werl lebend zu finden. Wie der Soester Anzeiger erfuhr, haben Leichenspürhunde in dem sicher gestellten Wagen angeschlagen, in dem die 23-Jährige kurz vor ihrem Verschwinden unterwegs war.

Von Matthias Dietz

Staatsanwaltschaft und Mordkommission sind aus einem bedrückenden Grund fest davon überzeugt, dass die seit mehr als vier Wochen vermisste Liesa Schulte nicht mehr lebt: Leichenspürhunde haben nämlich angeschlagen, als der VW Polo untersucht wurde, mit dem der beschuldigte Ex-Freund der 23-Jährigen am Abend des 16. April nach Westönnen gekommen war.

Die Polizei sucht Hinweise auf diesen Mietwagen mit Hamburger Kennzeichen.

Dieses wichtige Indiz war und ist es auch, das den Haftrichter veranlasst hatte, Haftbefehl wegen Mordverdachts zu erlassen. Das hat die ermittelnde Arnsberger Staatsanwältin Sandra Müller-Steinhauer auf Anzeiger-Anfrage bestätigt. Es ist ein ebenso sicheres wie entsetzliches Ermittlungs-Detail. Denn Leichenspürhunde sind in der Lage, sowohl Leichen als auch Leichenteile zu finden. Sie können Flächen identifizieren, auf denen eine Leiche gelegen hat. Die Ermittler hatten aus Rücksicht auf die Angehörigen von Liesa bisher bewusst darauf verzichtet, diese Information öffentlich zu machen. Natürlich sind Eltern, Bruder und enge Freunde der Familie inzwischen darüber informiert. Und natürlich ist dieses Ermittlungs-Ergebnis auch dem Beschuldigten, dem 24-jährigen Richard O. aus Essen, mitgeteilt worden. Der ehemalige Freund von Liesa Schulte schweigt seither, nachdem er sich zuvor in gravierende Widersprüche verwickelt hatte.

Zuerst nämlich hatte er zu Protokoll gegeben, er sei am Abend des 16. April mit dem Zug aus Essen nach Werl-Westönnen gefahren, wo er Liesa zu einer letzten Aussprache habe treffen wollen. Unweit der Autobahnauffahrt „Werl-Süd“ der A 44 habe man sich dann getrennt. Liesa habe für ihn einen Kombi angehalten, mit dem er zurück ins Ruhrgebiet getrampt sei. Eine Version, die mittlerweile nicht mehr zu halten ist. Als dies dem Beschuldigten klar wurde, schwenkte er um und tischte den Ermittlern eine komplett andere Version des Geschehens auf. Nun will er mit jenem schwarzen VW Polo mit dem Hamburger Kennzeichen HH - NR 7312 nach Westönnen gekommen sein, um sich am Bahnhof im Werler Stadtteil mit Liesa zu treffen. Man sei dann, so behauptet der Schwarzafrikaner, mit zwei getrennten Fahrzeugen Richtung Autobahn gefahren.

Falls die 23-Jährige wirklich erst dort in den Mietwagen ihres ehemaligen Freundes eingestiegen sein sollte, könnten das Zeugen bemerkt haben. Wer immer sich an einen solchen Vorfall erinnert, sollte sich umgehend an den Kriminaldauerdienst der Polizei Dortmund, Telefon 0231/1327999, wenden.

 Dem Anwalt des Beschuldigten sollen zeitnah, noch in dieser Woche, die Ermittlungsakten zugeleitet werden. Die Ermittler setzen darauf, dass ihre eindeutigen Ergebnisse den Anwalt dazu bringen, das Schweigen des Beschuldigten zu brechen.

Derweil wird die Situation für die Eltern und Liesas Bruder immer unerträglicher. Sie ahnen, dass Liesa nicht mehr lebt, aber sie wissen nicht, was mit der 23-Jährigen passiert ist, wo sie ist. „Man blutet langsam aus, und trotzdem machen wir weiter“, schreibt gestern Vater Peter Schulte. „Aus reiner Verzweiflung“ bittet er die Medien, ein vielleicht allerletztes Mal den Fokus auf den VW Polo zu richten. „Nur wenn wir über Hinweise verfügen, wo der VW Polo in der besagten Nacht und am Morgen unterwegs war, kommen wir in den Ermittlungen weiter – und vielleicht zu Lisa“, schreibt Peter Schulte. Der Vater dankt allen, die die Familie bei der Suche nach Liesa unterstützt haben, für „ihre sachlichen Beiträge und die netten und lieben Rückmeldungen“.

In der Bevölkerung löst die Tragödie um das Verschwinden von Liesa Schulte große Aufmerksamkeit und Anteilnahme aus. Am Freitag dieser Woche soll abends um 21.30 Uhr noch einmal für Liesa gebetet, sollen Kerzen und Lichter auf den Stufen vor der Basilika entzündet werden. Bei einer ähnlichen Aktion waren unlängst mehr als 100 Menschen zusammen gekommen und hatten für Liesas Rückkehr gebetet.

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Quelle: wa.de

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