Fragen & Antworten

Der Legionellen-Ausbruch in Warstein

WARSTEIN - Mehr als 160 Infizierte und zwei Tote: Vor unnötigen Reisen ins sauerländische Warstein wird wegen eines Legionellen-Ausbruchs gewarnt. Eine Kläranlage und eine Kühlanlage sollen die Bakterien verbreitet haben. Noch immer sind viele Fragen offen.

Eine Kläranlage als Brutbecken für Krankheitserreger, die dann von einer Kühlanlage in der Luft verteilt wurden: So erklären sich Experten derzeit einen der größten Legionellen-Ausbrüche Deutschlands. Mehr als 160 Menschen atmeten die Bakterien ein und kamen mit Lungenentzündung ins Krankenhaus, zwei Männer starben. Und immer noch sind viele Fragen offen.

Legionellen kommen überall im Wasser vor. Warum haben sie in Warstein eine Epidemie ausgelöst?

Geklärt ist die Ursache immer noch nicht. Vermutlich haben sich die Krankheitserreger in einer Kläranlage vermehrt und sind dann über einen Fluss in die Kühlanlage eines Unternehmens gelangt. Über die Abluft der Anlage wurden sie in kleinen Wassertröpfchen, sogenannten Aerosolen, in die Umgebungsluft abgegeben. Trinkt man mit Legionellen belastetes Wasser, sind die Bakterien ungefährlich. In den Aerosolen können sie aber mehrere Kilometer durch die Luft fliegen und nach dem Einatmen die Erkrankung auslösen.

Gibt es Grenzwerte für die Legionellen-Belastung?

Im Trinkwasser sind bis zu 100 Legionellen pro 100 Milliliter unbedenklich. In der Kläranlage Warstein wurden aber bis zu 2 Millionen Legionellen pro 100 Milliliter Wasser nachgewiesen. Wie es dazu kam, ist noch ungeklärt.

Die Kühlanlage ist abgestellt, das Klärwerk umgerüstet. Besteht noch akute Gefahr für die Menschen in Warstein?

Die Experten gehen davon aus, dass die akute Gefahr gebannt ist. Sicher sind sie sich aber nicht, weil noch unklar ist, ob es weitere mit den Bakterien verseuchte Anlagen gibt, die die Krankheitserreger in die Luft abgeben könnten. Eine weitere Theorie, dass die Legionellen mit verdunstetem Wasser aus der Kläranlage in die Luft gelangten, halten die meisten Fachleute für unwahrscheinlich.

Es ist nicht der erste Legionellen-Ausbruch im Zusammenhang mit industriellen Kühlanlagen. Lässt sich so etwas nicht verhindern?

Verschmutzungen solcher Anlagen lassen sich nur durch regelmäßige Wartung und Desinfektion verhindern. Experten forderten nach einem Legionellen-Ausbruch in Ulm bereits vor drei Jahren eine gesetzliche Registrierungs- und Wartungspflicht für Kühlanlagen, bei denen Aerosole in die Luft abgegeben werden. Bislang wurde so etwas in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern noch nicht umgesetzt. Das wird sich vermutlich durch die Warsteiner Infektionswelle ändern.

Die ersten Patienten kamen schon am 10. August ins Krankenhaus. Warum interessiert sich die Politik erst seit einigen Tagen für den Vorfall?

Das wundert vor allem die Menschen in Warstein. Immerhin ist bei 160 Infizierten mittlerweile etwa jeder 190ste Einwohner der Stadt erkrankt. In einer Millionenstadt wie Köln wären bei einem ähnlichen Verhältnis rechnerisch mehr als 5000 Menschen betroffen. Nun hat die Landesregierung aber Aufklärung und Konsequenzen versprochen, um eine Wiederholung in Warstein oder in anderen Orten zu verhindern. - lnw

Lesen Sie mehr zum Thema hier auf unserer Ressortseite Warstein.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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