Landtagswahl 2017

Landwirt aus NRW wünscht sich Leute mit Ahnung an die Macht

+
Andreas König, Landwirt aus Neuengeseke, führt seinen Hof seit vier Jahrzehnten. Sein Interesse daran, Neues auszuprobieren, hat er sich in all den Jahren erhalten

Neuengeseke - In der Schweinemast ist Andreas König ein alter Hase. Da macht dem Landwirt keiner so schnell etwas vor. Seit 40 Jahren ist er im Geschäft. Seinen Hof in Neuengeseke mit heute 500 Mastschweinen bewirtschaftet er in dritter Generation. Und doch lässt er ein Argument wie „Das haben wir schon immer so gemacht“, nicht gelten.

Im Gegenteil. Wenn es darum geht, Neues auszuprobieren, ist er dabei. Wie beim Ringelschwanz-Projekt, das Anfang 2015 von Landesregierung und Landwirtschaft aufgelegt wurde. 

Darin verpflichten sich Landwirte, den Schwanz der Tiere nicht zu kürzen. Üblicherweise geschieht das kurz nach der Geburt. So soll verhindert werden, dass Artgenossen den Schwanz anknabbern. Denn das kann fatale Folgen haben. Sobald Blut fließt, bieten die Wunden ein Einfallstor für Keime. Gefährliche Entzündungen und Abszesse an den Schwanzspitzen sind häufig die Folge. 

Nach EU-Recht ist das Kürzen der Schwänze zwar ohnehin verboten, in NRW aber noch gängige Praxis. Welche Faktoren dazu führen, dass manche Schweine zu Beißern werden und andere nicht, ist noch nicht ausreichend erforscht. Das Ringelschwanz-Projekt soll da helfen – und Andreas König ist in vorderster Front dabei. 

Tieren Gutes tun

„Wenn ich weiß, wie ich den Tieren Gutes tun kann, dann mache ich das“, sagt König. So hat sich der 53-Jährige mit seinem Betrieb auch der „Initiative Tierwohl“ angeschlossen. Die gemeinsame Aktion von Land- und Fleischwirtschaft sowie Einzelhandel will nach eigenen Angaben „das Tierwohl zukünftig noch stärker zur Grundlage des Handelns machen“. Landwirtschaftliche Betriebe, die daran teilnehmen wollen, müssen darum die gesetzlichen Standards in der Tierhaltung deutlich übertreffen: Tageslicht, 40 Prozent mehr Platz für jedes Schwein – bedeutet 1,05 Quadratmeter statt 0,75 – , ein intaktes Stallklima, das regelmäßig überprüft wird, eine gewisse Trinkwasserqualität und ein gewissenhafter Umgang mit Antibiotikum sind einige der Voraussetzungen zur Teilnahme.

Spielzeug für Schweine

Ob das Kürzen des Ringelschwanzes übrigens dem Tierwohl schadet oder doch gar dient, da ist sich König nicht einmal sicher: „Denn das Kürzen der Schwänze ist vor einigen Jahrzehnten gerade zum Schutz der Schweine etabliert worden.“ Und auch wenn es um artgerechte Haltung geht, hat König so seine Zweifel. 

„Das Schwein ist ein Allesfresser. Wir allerdings dürfen nur pflanzliches Eiweiß, kein tierisches füttern.“ Dass der Gesetzgeber bei einigen Dingen komplett daneben liegt, weiß er indes sicher. Zum Beispiel beim Spielzeug für die Schweine. In jeder Bucht – also jedem Stallabschnitt – müssen Spielgeräte für die Tiere sein. Unter anderem eine Kette mit einem Plastikball am Ende. 

Für die interessiert sich jedoch kein Schwein. „Viel lieber nehmen die Tiere einfache Ketten“, sagt König und zeigt zum Beweis auf vom Spielen blank polierte Metallglieder. Um dem Gesetz Genüge zu tun, hängt er die Ketten mit Ball-Zugabe dennoch in die Buchten – „weil es sich halt irgendjemand am Schreibtisch ausgedacht hat“.

Mehr Geld in die Forschung

Grundsätzlich wünschen sich er und seine Frau Christiane, mit der er gemeinsame den Hof bewirtschaftet, dass mehr Geld in die landwirtschaftliche Forschung gesteckt wird – zum Beispiel in die Ergründung des Schwanzbeißens. Und was darf´s für die Zukunft sein? Für die Zeit nach der Wahl? Lange nachdenken muss Christiane König da nicht: „Dass mal Leute mit Ahnung an die Macht kommen.“ Denn Vorgaben von Menschen zu akzeptieren, die wenig von Landwirtschaft verstehen, „das fällt schwer“.

Der Schwanz bleibt dran: Andreas König nimmt mit einem Teil seiner Mastschweine am so genannten Ringelschwanzprojekt teil.

Projekt Ringelschwanz

Das Projekt Ringelschwanz wurde gemeinsam von der Landesregierung und der Landwirtschaft initiiert. Aktuell läuft der dritte Druchgang, beteiligt sind gut 60 Landwirte, sowohl Mäster als auch Sauenhalter. Vergütet wird das mit 18 Euro. 9 Euro gibt es für den Ferkelerzeuger, die gleiche Summe bekommt der Mäster. „Landwirtschaft lebt auch davon, dass man immer wieder etwas ausprobiert“, sagt Petra Drees-Hagen vom Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband.

Initiative Tierwohl

Initiative Tierwohl

Bei der Initiative Tierwohl setzten sich Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung ein. Die Partner wollen mit der Initiative nach eigenen Angaben die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel marktweit ausbauen. Möglich machen das die teilnehmenden Handelsunternehmen, die den Mehraufwand finanzieren. Mit vier Cent je Kilogramm Fleisch.

Hier finden Sie die Positionen der Parteien zur Landwirtschaft

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare