Kritiker niedergebrüllt?

Kollektive Kündigungen: Krise beim Hammer Forum zugespitzt

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Hamm - Für eine Reihe von Führungs- und Integrationsfiguren sowie Gründungsmitgliedern des Hammer Forums ist das Tischtuch nach teils jahrzehntelanger Mitarbeit endgültig zerschnitten. Damit spitzt sich die Krise bei der bundesweit anerkannten Hilfsorganisation dramatisch zu.

Dr. Theophylaktos Emmanouilidis

Kollektiv kündigen sie in einem Rundschreiben ihren Austritt an und begründen diese Entscheidung mit dem Führungsstil des im September 2017 im Amt des Vorsitzenden bestätigten Dr. Theophylaktos Emmaouilidis. Ihr Vorwurf: Der 78-Jährige integriere nicht – wie es seine Aufgabe wäre – sondern polarisiere. Personen, die ihm nicht genehm seien, würden in bösartiger Form herausgeekelt, heißt es unter anderem in dem Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt.

Die Rede ist ferner von manipulierten Vorstandswahlen und Säuberungsaktionen innerhalb der eigenen Belegschaft. Langjährige, qualifizierte Mitarbeiter, die mit viel Sachkenntnis die Arbeit maßgeblich unterstützt hätten, seien dieser Säuberung zum Opfer gefallen.

Einer der sieben Unterzeichner ist der Hammer Rechtsanwalt Dr. Michael von Glahn. Er war eines der Gründungsmitglieder, als das Forum im März 1991 während des zweiten Golfkriegs seine Arbeit aufnahm. „Das ist für mich zwar sehr traurig, aber die jüngsten Ereignisse können einfach nicht ignoriert werden“, sagt von Glahn gegenüber unserer Zeitung.

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Er wisse von einer ganzen Reihe weiterer verdienter Mitglieder, die ihren Austritt kürzlich bereits vollzogen hätten beziehungsweise unmittelbar davor stünden. Bei einigen von ihnen reife derzeit die Idee, eine neue Hilfsorganisation aufzubauen. Er selbst werde sich künftig aber nur noch in der lokalen Flüchtlingshilfe engagieren, so von Glahn.

Hilfseinsatz im Jemen.

Zu den Initiatoren einer neuen Hilfsorganisation zählt die Wuppertaler Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Margit Ernenputsch. Auch sie ist eine der Unterzeichnerinnen des Rundbriefs. Tumultartige Zustände hätten bei der Mitgliederversammlung im September geherrscht, die Bedenkenträger seien wegen ihrer Einwände von Emmanouilidis niedergebrüllt worden. „So führt man keinen Verein und so geht man auch nicht mit Menschen um“, sagt sie und bezieht dies ausdrücklich auf die im Nachgang zur Versammlung erfolgten Kündigungen zweier Forums-Angestellten.

Neuer Verein auf Distanz zu Hamm

Mit der neuen Organisation wolle man sich der medizinischen Aus- und Weiterbildung in Afrika – zuletzt eines der Streitthemen im Verein – widmen. „Wir wollen dort Hilfe zur Selbsthilfe leisten, um langfristig auf dem Kontinent überflüssig zu werden“, erklärt sie das Konzept.

Von den derzeit rund 20 Gründungsmitglieder entstammten viele aus Reihen des Hammer Forums. Im Sommer solle der Verein gegründet werden, Sitz werde eventuell Köln werden.

„Hamm wird außen vor sein“, kündigt sie an. Und: „Mit der Organisation Hammer Forum wollen wir nichts mehr zu tun haben.“

Forums-Vorsitzender gelassen

Dr. Theophylaktos Emmaouilidis reagierte auf Nachfrage betont gelassen auf die Vorhaltungen. „Mitglieder kommen, Mitglieder gehen. Das ist doch normal“, sagte er. Längst nicht jeder der Briefunterzeichner habe bislang seine Kündigung eingereicht, stattdessen gebe es auch in diesen Tagen täglich neue Aufnahmebegehren.

„Ich diene dem Hammer Forum“, ergänzte er und dass er sich „den Schuh“ nicht anziehe. „Wer eine Führungsposition hat, bietet auch eine Angriffsfläche.“

Dass die Organisation durch die (angekündigte) Austrittswelle Schaden nehmen könnte, sieht der 78-jährige Vorsitzende nicht so. „Es läuft alles bestens, und wir haben auch bei den Spenden keine Probleme.“ Es gebe sehr viel zu tun.

Am kommenden Wochenende werde der nächste Einsatz gestartet. Guinea, Griechenland und der Libanon stünden derzeit im Fokus. Aktuell gebe es zudem Anfragen, im syrischen Aleppo tätig zu werden.

Quelle: wa.de

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