"Mensch vor Marge"

Die Siemens-Beschäftigte sind verunsichert

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Beschäftigte von Siemens protestiert am Freitag in Krefeld gegen den geplanten Konzernumbau und den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen.

KREFELD - Sie sind verunsichert und kritisieren ihren Vorstandschef: Am Siemens- Standort in Krefeld demonstrieren Beschäftigte aus NRW für ihre Arbeitsplätze. Ihre Forderung: "Mensch vor Marge".

"Wir bleiben dabei - Mensch vor Marge", "Joe Kaeser - Deine Vision 2020 ist kaese", steht auf den Plakaten, die Beschäftigte im Krefelder Siemens-Werk in die Höhe halten. Mitarbeiter aus 13 nordrhein-westfälischen Standorten und Niederlassungen des Technologiekonzerns sind am Freitag gekommen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren.

Rund 2000 Beschäftigte sind laut IG Metall bei der Protestaktion dabei. Sie tragen rote Fahnen und Transparente, machen mit Trillerpfeifen und Rasseln auf sich aufmerksam. "Wir sind hochgradig verunsichert", sagen Mitarbeiter am Rande der Veranstaltung.

Hintergrund der Unzufriedenheit: Vorstandschef Joe Kaeser hat dem Unternehmen mit seinen weltweit mehr als 360 000 Beschäftigten, von denen rund 20 000 in Nordrhein-Westfalen arbeiten, einen tiefgreifenden Konzernumbau verordnet. Einen "Frontalangriff auf die Siemensstrukturen", nennt der Krefelder Betriebsratsvorsitzende, Heinz Spörk, das Vorgehen des neuen Siemens-Chefs.

Der Standort Krefeld ist von den Plänen in der Münchener Konzernzentrale besonders betroffen. Siemens will die Energietechniksparte des französischen Industriekonzerns Alstom übernehmen will und soll vorgeschlagen haben, im Bahntechnik-Bereich ein von französischer Seite kontrolliertes Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. In Krefeld stellt Siemens mit 2500 Mitarbeitern Regional-und Hochgeschwindigkeitszüge her.

Ein Beschäftigter von Siemens protestiert  mit einem Ganzkörperüberzieher.

"Werke und Arbeitsplätze dürfen nicht zum Tauschobjekt bei den Verhandlung mit Alstom werden", verlangt der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, bei der Kundgebung. Er wirft Kaeser "überzogene Gewinnziele" vor. Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit lobt Krefeld als "Standort der Hochtechnologie". Siemens brauche Standorte wie diesen und müssen sie ausbauen. "Abbau von sinnlosen Arbeitsprozessen, ja. Abbau von Arbeitsplätzen, nein", fordert sie.

Die Gewerkschaft wirft Siemens vor, auch unabhängig von der versuchten Alstom-Übernahme auf Distanz zum Bahngeschäft zu gehen. Jürgen Wilder, Chef der Sparte für Hochgeschwindigkeits- und Regionalzüge, sieht das anders. "Siemens wird langfristig im Bahngeschäft engagiert sein und darauf können wir vertrauen", sagt der Manager vor den demonstrierenden Mitarbeitern.

Quelle: wa.de

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