Was kostet der Abiball: Ein Selbstversuch

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Köln - Früher wurde schmucklos in der Schulaula gefeiert, heute muss es zum Abschluss der gymnasialen Schullaufbahn ein Ballsaal sein. Experten sprechen von einem Rückgriff auf tradierte Muster. Eine Abiturientin macht den Kassensturz.

Im Nachhinein muss Nina Hoffmann schlucken. Mehr als 700 Euro für einen schicken Gala-Abend? "So viel bezahle ich ja nicht mal für meinen Sommerurlaub." Zu hoch also, die Kosten für ihren Abiball am vergangenen Wochenende? Andererseits: "Der Abend war super schön." 750 Euro - so viel hat die 20-jährige Kölnerin sich das Fest zum Abschluss ihrer Schullaufbahn kosten lassen. Mit Ausgaben dieser Größenordnung ist sie nicht allein. Deutschlandweit werden Abibälle mit hohem Aufwand betrieben.

Das zahlte Nina für ihren Abschlussball:

Wenn Nina Hoffmann Kassensturz macht, sieht das so aus: die fünf Karten für Eltern, Freund, Großmutter und sich selbst - 175 Euro. Hinzu kommen Kosten für Ballkleid (195 Euro), Maniküre (30), Pediküre (15), Friseurbesuch (30), Handtasche (35), ein Paar Schuhe (150), noch ein Paar Schuhe zum Tanzen (100) und 20 Euro Startkapital zu Beginn der Oberstufe. Rückblickend sei das "schon happig", sagt Hoffmann. Aber: Es sei doch Tradition, das Abi derart zu feiern. Nina Hoffmann plant ein Lehramtsstudium für die Sekundarstufe zwei. Ob das klappt? Sie weiß es nicht. Vorher geht's ohnehin in den Urlaub: eine Woche Mallorca mit dem Freund. Und über die Kosten für den Abiball sagt sie schließlich doch: "Es hat sich gelohnt."

Fotograf, DJ und "After-Show-Party"

Wer die Fingernägel passend zum silberfunkelnden Haarreif gestaltet haben möchte, muss zahlen.

Maximilian Reichel-Schindler von der Landesschülervertretung in Thüringen spricht von einem "krönenden Abiball", den er im kommenden Jahr zu feiern hofft. Seit Beginn des Schuljahres sammelt sein Jahrgang Geld für das Fest. Damit kann man nicht früh genug beginnen: Die Stufe der Kölner Abiturientin Nina Hoffmann hat allein für Ballsaal und Catering 25.000 Euro bezahlt. Früher war der Schulabschluss eine eher schmucklose Angelegenheit. Der Rektor überreichte in der Aula das Zeugnis, womöglich gab es ein schlichtes Buffet. Früher wurden keine professionellen Fotografen gebucht und kein DJ bespielte eine "After-Show-Party". Früher galt ein Ball dieser Art als spießig, heute wird ihm Tradition nachgesagt.

Wolfgang Pabel, stellvertretender Vorsitzender des Bundeselternrats, nennt diese Entwicklung bedenklich. "Mit dem Bildungsabschluss hat das nichts mehr zu tun." Der Ball sei mittlerweile vom eigentlichen Anlass, mit Kindern gemeinsam den Abschluss zu feiern, entkoppelt. Unterschiede zur eigenen Hochzeit - kaum erkennbar. "Was ist mit Familien, die sich das nicht leisten können?", fragt Pabel. Gehören die überhaupt noch dazu, wenn allein die Eintrittskarte für den Ball, wie bei Hoffmann, 35 Euro kostet? "Jeder hat andere Vorstellungen. Manche wollen es besonders schick, anderen ist das nicht so wichtig", sagt Hoffmann, die selbst im Organisationsteam war. Bei 35 Euro für den eigenen Eintritt bleibt es - persönliches Interesse hin oder her - meist allerdings nicht.  - dpa

Quelle: wa.de

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