Konzept sichert kleinen Kommunen Grundschulen zu

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NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann.

DÜSSELDORF - Die Zahl der Kinder geht zurück, doch das Sterben von Grundschulen soll verhindert werden. Ein neues Konzept der nordrhein-westfälischen Schulministerin sieht vor: Auch kleine Kommunen sollen mindestens eine Grundschule behalten dürfen.

Trotz geringer Schülerzahlen sollen auch kleine Kommunen in Nordrhein-Westfalen mindestens eine Grundschule erhalten dürfen. Das sieht ein Konzept für wohnortnahe Grundschulen vor, das NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt hat.

Generell sollen die Klassengrößen abgesenkt werden, von derzeit durchschnittlich 24 Schülern um mindestens zwei. Klassen mit weniger als 15 oder mehr als 29 Grundschülern sollen künftig unzulässig sein. Das Konzept soll Anfang des Jahres als Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht werden. Auf die Kernpunkte haben sich SPD, Grüne und CDU bereits verständigt.

"Wir wollen das Fundament für schulische Bildung in der Grundschule stärken", sagte Löhrmann. Dazu müssten vor allem Ungerechtigkeiten zwischen Kommunen und Schulen bei der Unterrichts- und Lehrerversorgung abgebaut werden.

Schlüssel dazu ist die Einführung einer sogenannten kommunalen Klassenrichtzahl. Künftig wird die Schülerzahl der Eingangsklassen überall durch 23 geteilt. Damit ist die maximale Klassenzahl definiert. Weniger Klassen sind erlaubt, mehr nicht. Kleinere Kommunen erhalten etwas mehr Spielräume.

Im Schuljahr 2010/2011 gab es noch in allen 396 Kommunen des Landes mindestens eine Grundschule. "Mit dem neuen Konzept stellen wir sicher, dass dies auch künftig so bleiben kann", sagte Löhrmann. Dazu werden die Mindestgrößen nach unten geschraubt.

Nach geltender Rechtslage muss eine Grundschule mindestens zweizügig sein, also mindestens zwei parallele Klassen pro Jahrgangsstufe haben. Durch alle vier Klassenstufen setzt dies insgesamt 144 Schüler voraus. Künftig können dagegen auch einzügige Grundschulen mit mindestens 92 Schülern als eigenständige Schulen fortgeführt werden. Wird selbst diese Grenze nicht erreicht, bleibt noch die Möglichkeit, eine Grundschule mit mindestens 46 Schülern als Teilstandort aufrechtzuerhalten. Ist eine Grundschule die letzte am Ort, darf sie mit dieser Mindestzahl sogar eigenständig bleiben, muss dann aber jahrgangsübergreifend unterrichten.

Sehr große Klassen mit mehr als 30 Kindern dürften künftig nur noch ausnahmsweise fortgeführt werden - "zum Beispiel, wenn ein Kind zuzieht", erläuterte die Ministerin. Derzeit gibt es in NRW noch über 100 Eingangsklassen mit 30 Schülern oder mehr. Die Eckwerte für die Klassengrößen liegen eigentlich bei mindestens 18 und höchstens 30 Kindern. Dies sei aber nicht verbindlich geregelt, sagte Löhrmann.

Die neuen Regelungen sollen zum Schuljahr 2013/2014 schrittweise eingeführt werden. Ziel ist es, bis zum Schuljahr 2015/16 in allen vier Klassen der Grundschule bei einer statistischen Schülerzahl von 22,5 anzukommen. Trotz sinkender Schülerzahlen und Klassengrößen blieben 1700 Lehrerstellen erhalten, die wegen der demografischen Entwicklung eigentlich hätten abgebaut werden müssen, sagte Löhrmann.

Schulleiter erhalten mehr Freistellungen von ihren Unterrichtsverpflichtungen, vor allem weil der organisatorische Aufwand bei Schulen mit Teilstandorten größer wird. Nach Angaben des Ministeriums sind an den rund 3200 Grundschulen des Landes derzeit 318 Leiterstellen und 518 Stellvertreterposten unbesetzt. - lnw

Quelle: wa.de

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