Legionellen-Einsatz gegen die Uhr:

Wo ist die gefährliche Anlage?

WARSTEIN ▪ Krisen- und Notfallstimmung in Warstein: Der Einsatz hatte etwas Kriminalistisches – angesichts von aktuell 83 Erkrankungsfälle mit sogar zwei zu beklagenden Todesopfern durchaus eine treffende Bezeichnung.

Von Reinhold Großelohmann

Krisen- und Notfallstimmung herrschte gestern Nachmittag, als Legionellen-Experte Prof. Dr. Martin Exner in Begleitung von Mitarbeitern des Kreis-Gesundheitsamtes in Warstein anrückte, um sich unmittelbar nach einer Pressekonferenz im Kreishaus und nach Absprache mit dem eingerichteten 60-köpfigen Krisenstab auf die Suche nach dem Auslöser der Legionellen-Erkrankung zu machen.

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Die Suche nach der Verdunstungs-Kühlanlage, die mit Legionellen verseuchte Luft in die Umgebung geblasen hat, wurde unter Hochdruck gestartet. Zunächst trafen die Experten der Uni Bonn, die Vertreter des Kreis-Gesundheitsamtes sowie Mitarbeiter der Stadt Warstein mit Bürgermeister Gödde an der Spitze im Haus Mues-Böckler neben der Sparkasse zur kurzen Lagebesprechung ein. Dann ging es schnellen Schrittes ins Obergeschoss der Sparkasse, wo eine erste Anlage in Augenschein genommen wurde. „Ein Dampfbefeuchtungssystem“ konstatierte Prof. Exner. „Davon kann keine Gefahr ausgehen“, so seine Erkenntnis. Eine Probe musste nicht genommen werden.

Draußen vor der Tür dann ein Blick aufs Nachbargebäude, wo eine größere Kühlanlage sichtbar auf einem Dach platziert ist. Dort sei die aus seiner Sicht gefährliche Technik durchaus denkbar, doch zunächst sollte es an andere Schauplätze gehen.

Weil auch bei der Feinstaub-Straßen-BerieselungsanlageWasser in die Luft geblasen wird, eilte der Konvoi aus nunmehr einem halben Dutzend Fahrzeugen zum Rangetriftweg. Prof. Exner und seine Mitarbeiter legten hier den Mundschutz an, als die Anlage zu sprühen begann. Mehrere Proben wurden genommen. Zwischenzeitlich war auch Peter Dolch, zuständiger Westkalk-Ingenieur, herbeigeeilt, um über die Technik Auskunft zu geben. Das Wasser stamme direkt aus dem Leitungsnetz, es geben kein Reservoir, so Peter Dolch. Angesichts der gemessenen Temperatur von 18,8 Grad sah Dr. Exner geringe Gefahren. Allerdings bedeute dies noch nicht, dass die Anlage auszuschließen sei. So wurden auch Proben von den Düsen genommen.

Die nächste Station waren die Esser-Werke. Zunächst hieß es für den Konvoi Warten vor dem Tor, bis Geschäftsführer Rüdiger Schulte und Technik-Chef Rüdiger Luig angerückt waren. Sie führten das Team zur Kühlanlage, die Prof. Dr. Exner in den Kreis der Verdächtigen aufnahm. Aus dem unterirdischen Kreislaufwasser-Reservoir wurde eine Probe entnommen. Die Esser-Vertreter wurden gebeten, die Anlage vor der Wiederinbetriebnahme desinfizieren zu lassen.

Nächste Station am frühen Abend war das Industriegelände im Belecker Möhnetal, wo mit der AEG, Infineon und Hologic Hitec-Imaging mehrere Firmen angesiedelt sind. Weil Eile geboten war, konnten die Ermittler nicht auf Vertreter der Geschäftsführung warten, sondern ließen sich von einem Techniker schnell zur Verdunstungskühlanlage auf dem Dach eines Gebäudes führen. Eine Hälfte der großen Anlage war in Betrieb und Prof. Dr. Exner erläuterte, wie der Luftstrom durch das aufgesprühte Wasser geleitet wird und dabei auch Partikel mitnimmt. „Wenn im Wasser Probleme liegen, dann überträgt sich dies in die Luft.“ Auf diese Weise könnten Legionellen in die Atemluft gelangen. Zufrieden nahm Prof. Exner zur Kenntnis, dass die Anlage zweimal pro Woche gewartet wird.

Weitere Firmen wurden gestern am Abend von den Experten aufgesucht. Es gab große Kooperationsbereitschaft. Die Proben wurden unmittelbar ins Labor der Uni-Klinik Bonn gebracht. In fünf Tagen könne es womöglich erste Hinweise auf Legionellen-Befall geben, sagte Prof. Dr. Exner am Abend.

Die Stadt Warstein bittet die Bevölkerung und die heimischen Betriebe um Hinweise, wo es im Stadtgebiet größere Verdunstungs-Rückkühlanlagen gibt, da ein Register nicht vorhanden ist. Informationen sollten ans städtische Ordnungsamt unter Tel. 02902/81351 gegeben werden. Nicht in Frage kommen normale Klimaanlagen in Gebäuden und Geschäften und Anlagen mit Kühlmittel. Nur wo Luft mit Druck durch Wasser geblasen wird, können Gefahren entstehen.

Der Kreis Soest informiert an einem Bürgertelefon mit der Nummer 02921/303030 über die Erkrankungswelle in Warstein, für die Legionellen verantwortlich gemacht werden. Am heutigen Donnerstag können sich Bürgerinnen und Bürger von 8 bis 20 Uhr an diese Nummer wenden. Die weiteren Terminen werden mitgeteilt. Wer mit den Symptomen Fieber, trockener Husten oder auch Durchfall erkrankt, sollte ein Krankenhaus aufsuchen, rät das Kreis-Gesundheitsamt.

Quelle: wa.de

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