Prozess in Münster

Kleinkind zu Tode geschüttelt: Vater schweigt

MÜNSTER - Dieser Moment muss ein echter Alptraum gewesen sein: Als eine Mutter aus Billerbeck ihren Sohn nach dem Mittagsschlaf wecken wollte, wachte der Junge einfach nicht mehr auf. Einen Tag später war er tot. Jetzt gibt es einen schrecklichen Verdacht.

Ihr Ehemann soll das 19 Monate alte Kind zu Tode geschüttelt haben. Seit Donnerstag beschäftigt das Drama das Schwurgericht in Münster. Die Anklage lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Zum Prozessauftakt hat der 37-jährige Vater allerdings von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Auch seine Ehefrau will als Zeugin nicht aussagen. Sie kam ganz in Schwarz in den Gerichtssaal und weinte bittere Tränen.

Es war der 23. Januar 2011, als der kleine Junge mit einem Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik Münster geflogen wurde. Er war ohne Bewusstsein. Die Ärzte hatten keine Hoffnung - und sollten recht behalten. Das Herz des Kindes hörte schon kurze Zeit später auf zu schlagen. Die Todesursache: ein schweres Schädelhirntrauma. Außerdem waren Einblutungen in der Netzhaut festgestellt worden.

Die Eltern waren daraufhin noch im Krankenhaus vernommen worden. Sie erzählten der Polizei, dass ihr Sohn zwei Tage vorher gefallen und dabei mit dem Kopf gegen eine Tischkante geschlagen sei. Man sei sogar sofort zu einem Arzt gegangen, der habe aber nichts festgestellt. Das Kind sei anschließend absolut unauffällig gewesen. Was der 37-jährige Autoverkäufer jedoch erst einmal verschwieg: Dass er am Todestag eine Zeit lang ganz allein mit seinem Sohn gewesen ist.

Später war dann auch der zuständige Rechtsmediziner sicher, dass Sturz und Tischkantenaufschlag die Einblutungen in den Augen nicht ausgelöst haben können. Dann hätte nämlich schon der Hausarzt Sehstörungen und Ausfallerscheinungen beobachten müssen.

Verteidiger Andreas Tinkl hält das rechtsmedizinische Gutachten allerdings für fehlerhaft. Er hat deshalb die Hinzuziehung eines weiteren medizinischen Sachverständigen beantragt. "Das Schütteltrauma ist reine Fiktion", sagte er den Richtern. Tatsächlich liege dem tragischen Tod ein Unfallereignis zugrunde. - lnw

Quelle: wa.de

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