Umfrage in Hamm

Stadtbummel und Onlineshopping: Wie passt das noch zusammen?

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Insbesondere in der Hammer Weststraße ist die Fußgängerzone seit Jahren im Wandel. Mal schließt ein Traditionsgeschäft, mal öffnet die Filiale einer Kette, mal findet sich gar kein Nachfolger.

Hamm - Ob per Klick oder im Laden: Der Einzelhandel ist im Wandel. Die Fußgängerzone in Hamm verändert sich, man kann fast dabei zusehen. Wie kaufen die Menschen aus Hamm ein? Bevorzugen sie das Internet, oder gehen sie noch in die Innenstadt und schlendern die Straße entlang, auf der kein Auto fahren darf? Wir haben uns umgehört.

Die Hammer Innenstadt ist zur Mittagszeit belebt. Erwachsene machen Pause, Schulkinder treffen sich mit Freunden, ältere Damen kommen zum Kaffeeklatsch zusammen. Doch links und rechts der Fußgängerzone tauchen hin und wieder leer stehende Geschäfte auf. Unschöne Lücken in einem ansonsten fast stimmigen Bild. Die Fußgängerzone hat es vermeintlich immer schwerer, ihre Besucher an sich zu binden. Kultläden und alteingesessene Platzhirsche wie Ter Veen oder Hemmerich können oder wollen nicht bleiben. Dennoch wissen viele Hammer die Vorzüge des Einkaufens in der Stadt durchaus zu schätzen. Nur können auch sie die Bequemlichkeiten des Online-Shoppings nicht leugnen. Sechs Bürger erzählen dem WA von ihrem Kaufverhalten.

Alex Busemann und Jürgen Neuhaus schätzen die Fußgängerzone nicht besonders.

Ob Münster, ob Dortmund – beide Großstädte sind in der Nähe und bieten eine größere Auswahl als Hamm. Die beiden Freunde Jürgen Neuhaus und Alex Busemann gehen nicht mehr gerne in der Innenstadt einkaufen. „Generell gehe ich zum Einkaufen kaum noch in die Stadt, wenn dann eher nach Dortmund, da gibt es einfach mehr Geschäfte“, findet Alex. Ihm fehlt Vielfalt, Jürgen hat schlichtweg keine Lust mehr auf die City: „Mir fehlt einfach die Zeit und die Motivation zum Einkaufen in der Stadt.“ Wenn überhaupt, gehe er schnell ins Allee-Center, da sei alles gebündelt. Den Jungs fehlt die Auswahl, sowohl was die Geschäfte als auch die Ausgehkultur in Hamm angeht.

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Jessica Börner und Tochter Melia gehen nur shoppen, wenn es wirklich notwendig ist.

Auch Mutter Jessica Börner hat keine Lust mehr auf den Schaufensterbummel in der Innenstadt: „Also, ich gehe hier wirklich nur noch hin, wenn es absolut notwendig ist.“ Sie sei generell nicht so „die Shopperin“ und kaufe maximal ein bis zweimal im Monat Kleidung ein. Und dafür werde dann oft das Internet benutzt. Bequem von der Couch aus oder unterwegs – Online-Shoppen ist Zeitvertreib und Zeitersparnis. Dieses Mal hat das schöne Wetter die 42-Jährige aus dem Haus geholt. Sie genießt die letzten warmen Tage des Jahres und einen Eisbecher mit ihrer Tochter. „Wenn überhaupt, schleppe ich Mama mal in die Stadt, weil ich Anziehsachen brauche“, berichtet die zwölfjährige Melia.

Vertauschte Welt bei Familie Börner: Die Jugend will in die Stadt, die Erwachsenen meiden die Fußgängerzone. Unter dem Motto „Die Mischung macht’s“ erledigt Peter Meier seine Einkäufe. Er weiß die Vorteile von beiden Angeboten zu schätzen: „Es kommt eben ganz darauf an, was ich brauche, aber prinzipiell gehe ich schon noch gerne aktiv einkaufen.“ Kleidung besorgt er lieber in der Stadt. Den Stoff fühlen, direkt anprobieren und zu Hause sofort in den Kleiderschrank hängen, sind beim Shoppen in der Fußgängerzone ganz klare Vorteile. Doch alles kann er nicht in Hamm shoppen. „Manche Sachen finde ich gar nicht in der Innenstadt. Die bestelle ich dann aber ganz gemütlich von zu Hause aus“, erklärt er.

„An anderen Ecken ist sie ein bisschen tot“

Peter Meier schätzt es, die Kleidung direkt anzuprobieren.

Ob Essen, Kleidung oder Bücher – das Angebot der Innenstadt sei trotz allem sehr gut, findet Meier. Besonders um den Marktplatz zwischen der Ost- und Weststraße. Meier: „An einigen Stellen kann die Innenstadt richtig was. Nur leider ist sie eben an anderen Ecken auch ein bisschen tot.“ Was ihm besonders fehlt sind die Fachgeschäfte. Man solle die Leerstände nicht nur mit Billigläden auffüllen, sondern wieder mehr Fachkräfte in die Stadt holen. Er wisse nicht, wie die Jugend Besorgungen anstellt, aber er glaube, dass die fortgeschrittene Generation mehr auf Qualität setze.

Renata Kosnik würde gern mehr in der Stadt shoppen – allein, es fehlt die Zeit. J Fotos: Küpper

Ein Besuch in der Innenstadt ist wie dafür gemacht, die letzten warmen Tage auszukosten – ob alleine oder mit Freunden. Das findet zumindest Renata Kosnik. Sie genießt ausgiebiges Schlendern durch die Innenstadt, verbunden mit der ein oder anderen Shoppingtour. Nur leider fehlt der 34-Jährigen oft die Zeit dazu: „Ich würde gerne mehr in die Innenstadt gehen und bummeln, aber online ist es einfach schneller gemacht. Auch die Auswahl ist größer“, erzählt sie. Doch an Atmosphäre bietet die Innenstadt mehr: Ein spontaner Kinobesuch, Essen gehen oder bummeln. Auf der Couch entspannen könne man immer.

„Ich genieße es einfach, unter Menschen zu kommen, die Kleidung anzufassen und an der frischen Luft zu sein“, so Kosnik. „Im Internet bestelle ich oft zu viel, weil ich nicht weiß, wie der Stoff ist. Häufig passt es nicht oder der Stoff ist anders als erwartet, sodass ich das Produkt wieder zurückschicken muss. Dann ist der Online-Einkauf eine Enttäuschung“, verrät die junge Frau.

Quelle: wa.de

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