Kläranlage am Krankenhaus: Medikamenten-Reste bleiben

Symbolbild einer Kläranlage.

GELSENKIRCHEN - Kläranlagen direkt an Krankenhäusern können auch mit modernster Technik nicht alle Medikamenten-Rückstände aus dem Wasserkreislauf filtern.

Das ist eines der Ergebnisse des Pilotprojekts PILLS ("Pharmaceutical Input and Elimination from Local Sources"), das der Wasserverband Emscher Genossenschaft am Mittwoch in Gelsenkirchen vorgestellt hat. Fast fünf Jahre lang hatten in sechs europäischen Ländern Wasserverbände und Wissenschaftler mit EU-Geldern die Möglichkeiten erforscht, insgesamt 16 Medikamente aus dem Abwasser von Kliniken zu entfernen.

"Zwei bis drei Prozent der Rückstände bleiben", erklärte Jochen Stemplewski von der Emscher Genossenschaft. Der Vorstandsvorsitzende appellierte an Politik, Wirtschaft und Medizin, früher anzusetzen und bereits bei der Produktion und im Umgang mit Medikamenten die Freisetzung in die Umwelt zu verhindern. 20 Prozent der Pharma-Rückstände im Wasser stammen aus Krankenhäusern, 70 Prozent aus Privathaushalten.

Projektleiter Issa Nafo hatte am Gelsenkirchener Marienhospital eine Kläranlage aufgebaut, die pro Tag 100 Kubikmeter Wasser aufnehmen konnte. "Mit Aktivkohle und Ozon haben wir rund 80 Prozent der Wirkstoffe herausgefiltert. Hier hat unsere Forschung allerdings auch eine gefährliche Entwicklung aufgezeigt", warnte Nafo. Die kritischen Stoffe würden dank der Behandlung mit Ozon zwar oberflächlich verschwinden, "aber wir wissen nicht, ob durch diesen Prozess vielleicht nicht noch schlimmere Stoffe entstehen."

Dülmen im Münsterland wird Modell-Stadt des Lippeverbandes bei der Erforschung von Medikamenten-Rückständen im Abwasser. Das kündigte Vorstandschef Jochen Stemplewski an. "Dülmen ist in unserem Bereich einzigartig. Die Stadt ist frei von Einflüssen aus der Industrie und mit seiner Größe für uns ein interessanter wasserwirtschaftlicher Mikrokosmos." Die Kläranlage in Dülmen würde jetzt nachgerüstet, um das Abwasser der Stadt von Medikamenten-Resten zu befreien. Er kündigte ab Herbst einen Dialog mit Bevölkerung, Ärzten und Apothekern an. - lnw

Quelle: wa.de

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