Auf dem Rücken der Eltern?

Kitas in NRW stehen vor größtem Arbeitskampf

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Düsseldorf - Wenn es zum unbefristeten Kita-Streik kommt, müssen Eltern bei der Kinderbetreuung kreativ werden. Der Verband berufstätiger Mütter rät: "Tut euch zusammen." Wer Glück hat, findet Verständnis beim Arbeitgeber.

In Kindertagesstätten droht der wohl größte Arbeitskampf seit Einführung der organisierten Kinderbetreuung. Stimmen die 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter für Streik, könnten Eltern wochenlang vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Beim großen Streik 2009 hatten es die Gewerkschaften gemächlicher angehen lassen und immer nur für wenige Tage zum Streik geblasen. Verschnaufpausen soll es dieses Mal nicht geben. Bis zu den Sommerferien soll der Arbeitskampf abgeschlossen sein.

Die Gewerkschaften wollen für die Erzieher und Beschäftigten in sozialen Diensten eine deutliche höhere Wertschätzung für ihre Arbeit erreichen - und die führt über die Bezahlung. Nicht weniger als zehn Prozent mehr Geld müssten die Kommunen für die geforderte Eingruppierung in höhere Tarifstufen bezahlen.

"Wir wollen eine schnelle Lösung" sagt Günter Isemeyer von Verdi in Nordrhein-Westfalen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland wird es voraussichtlich die umfangreichsten Arbeitsniederlegungen geben. Dort weiß die Gewerkschaft Zehntausende Erzieher hinter sich. Aber auch Niedersachsen und Baden-Württemberg werden stark betroffen sein, weil dort viele Kitas in kommunaler Trägerschaft stehen - die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher.

Die Mitarbeiter wissen, dass sie dieses Mal aufs Ganze gehen müssen, um ihr Anliegen durchzusetzen. "Es geht um keine lumpige Tarifauseinandersetzung", hatte die Erzieherin und Gewerkschafterin Gerlinde Schmidt aus Oberhausen bei der großen Kundgebung vor 12 000 Mitstreiterinnen in Dortmund Mitte April gesagt.

"Grundsätzlich möchten wir eine Aufwertung unseres Berufes erreichen", meint die Duisburger Erzieherin Gudrun Treubert. In der Kinderpädagogik habe sich viel verändert und die Arbeitsbelastung zugenommen. Vieles müsse schriftlich festgehalten werden wie Sprachstands-Erhebungen oder Bildungsdokumentationen. "Wir haben immer weniger Zeit für die Kinder."

Mehr Personal gibt es deswegen nicht. Der Personalschlüssel sei verschlechtert worden. "Entscheidend war 2008 die Umstellung von der Gruppen- auf die Pro-Kopf-Zuweisung beim Personal", sagt Ulrike Seifert, Leiterin von zwei Kitas in Dortmund.

Schließen die Kitas wochenlang, droht den Erziehern auch Ärger mit den Eltern. "Es haben alle Eltern Verständnis für die Streiks und nehmen einige Streiktage in Kauf", sagt Dorothea Engel vom Verband berufstätiger Mütter. "Wenn sie aber merken, der Arbeitskampf wird auf dem Rücken der Eltern ausgetragen, schwindet das Verständnis und die Töne sind nicht mehr so freundlich", sagt die Mutter von vier Kindern.

Lösungen wie bei kurzen Warnstreiks halten meist nicht lange vor. Großeltern kämen auch schnell an ihre Grenzen, wenn sie zum Beispiel einen Drei- und Fünfjährigen gemeinsam betreuen müssen. Engel rät Eltern dringend, sich abzusprechen: "Der erste Ansatz ist, dass sich Eltern zusammentun." Mit etwas Glück spielen auch Arbeitgeber mit. "Es gibt Firmen, die erlauben es, Kinder mitzubringen", sagt Engel. - dpa

Quelle: wa.de

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