Kinder ausgesetzt, aber keine Strafe

FINNENTROP ▪ Die Frau, die vor genau einem Jahr ihre drei Kinder in einer Pizzeria in Italien ausgesetzt hat, braucht keine strafrechtlichen Konsequenzen mehr zu fürchten. Mit Zustimmung des Amtsgerichts in Lennestadt sei das Verfahren gegen die 27-Jährige ohne Anklageerhebung eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Siegen gestern mit. „Das Verhalten der Frau wirkte auf den ersten Blick irritierend und unverständlich“, hieß es. Bei genauerer Betrachtung habe sich das Verschulden der in Finnentrop (Kreis Olpe) lebenden Mutter aber als gering dargestellt.

Die Frau war im Frühjahr 2009 mit ihrem während eines Hafturlaubs geflohenen Freund und den drei mittlerweile 22 Monate, vier und sieben Jahre alten Kindern auf eine Europa-Reise gegangen. Aus Geldmangel hatte das Paar die Kinder in einem Restaurant im Aostatal sitzen lassen und war verschwunden. Erst Tage später wurden die beiden entdeckt. Die Kinder wurden vom Jugendamt in Olpe zurück nach Deutschland gebracht. Sie sind laut Staatsanwaltschaft nicht zur Mutter zurückgekehrt und stehen nach wie vor unter der Obhut des Jugendamtes.

Der Fall hatte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt. Angesichts der geringen Schuld der Frau und befürchteter negativer Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder durch die erneute mediale Aufmerksamkeit sei ein öffentliches Interesse an der weiteren Strafverfolgung verneint worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass die Frau schon vor dem Vorfall „psychisch beeinträchtigt und mit der familiären Situation überfordert“ war. Ihr 25 Jahre alter Freund war nach der Entdeckung im Aostatal von den italienischen Behörden in Haft genommen worden. Dort hatte er vor seiner Rückkehr nach Deutschland einen Selbstmordversuch unternommen. In Deutschland sei der Mann, der noch eine Haftstrafe bis Mitte 2011 verbüßen muss, in den geschlossenen Strafvollzug gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Für den Mann hat die Flucht aus dem Hafturlaub keine strafrechtlichen Folgen. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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