"3. Kids Climate Conference" in Medebach: Selbst is(s)t das Kind

Schoko-Aufstrich und Kartoffelchips im Hochsauerland selbst gemacht

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Medebach - Milena, Jonte und Lisanne greifen entschlossen zu: Erst das Kakaopulver. Rein damit ins kleine Glas! Jetzt noch Honig, Erdnussbutter und ein, zwei andere Zutaten hinein – alles frei Schnauze. Verrühren, Deckel drauf – und fertig ist der eigene Schoko-Aufstrich, der ganz ohne Palmöl auskommt. Das war nur einer der kreativen Workshops, in denen 164 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland in Medebach im Hochsauerlandkreis das Thema Ernährung hautnah erlebten.

Die Acht- bis 14-Jährigen hatten sich um einen der begehrten Plätze für die sogenannte "3. Kids Climate Conference" beworben, die in diesem Jahr unter dem Motto stand: "Du bist was du isst! Beim Essen die Umwelt schützen". 

2012 gab es ein solches Camp für Kinder in den Niederlanden zum ersten Mal, Deutschland zog 2015 nach. Auf die Beine gestellt wird das Erlebnis-Wochenende vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef), von der Naturschutzorganisation WWF Young Panda und der Deutschen Klimastiftung in Zusammenarbeit mit Center Parcs. Schirmherr ist Wolfgang Clement, ehemaliger NRW-Ministerpräsident. 

"3. Kids Climate Conference" im Hochsauerland

Mit ihren Familien logieren die 164 Kinder drei Tage lang im Center Parcs Park Hochsauerland, wo sie dann am Samstag stundenlang selbst Hand anlegen dürfen: Teig kneten, Getreide mahlen, Gemüse anbauen, Kartoffelchips herstellen, einen Obstsalat schnippeln, Sahne in ein Butter-Klümpchen und Buttermilch trennen. 

Praxis ist das eine, das Vermitteln von Wissen das andere. Deshalb versuchen die jungen Camp-Teilnehmer beispielsweise am Unicef-Stand, möglichst viele Wassertropfen mit der Pipette auf ein 1-Cent-Stück zu träufeln. Die Ungeduldigen schaffen zehn, die Vorsichtigen über 20. Tenor der Übung mit Blick auf die Armut in Afrika: Jeder Cent zählt, auf jeden Tropfen Wasser kommt es an. 

Nebenan bei den Landfrauen am Stand der Landwirtschaftskammer spielen die Kinder an einem überdimensionalen Setzkasten aus Holz das "Gemüse-Sudoku". Hier müssen Tomate, Knolle, Pilz, Möhre, Bohne, Radieschen, Erbsenschote, Zwiebel und Knoblauch so sortiert werden, dass sie in jeder Zeile, Spalte und in jedem der neun Päckchen nur einmal vorkommen. Gar nicht einfach... 

Im Pavillon der Deutschen Klimakonferenz werden aus Kidneybohnen, Haferflocken und Pinienkernen vegane "Klima-Burger" gebrutzelt – außen knusprig, aber innen mit einer gewöhnungsbedürftigen Konsistenz. Der Imkerverein Medebach zeigt die Königin und ihr Bienenvolk bei der Arbeit – den ersten cremigen Honig des Jahres gibt es zum Probieren. 

Hier geht's zur Homepage der "Kids Climate Conference"

Alles nur eine "Show" von Verbänden und Umweltaktivisten für Kinder aus Öko-Familien ohne jede Nachhaltigkeit? Nein: Am Ende werden von einer Jury die 16 besten und innovativsten Leitsätze gekürt, die der Politik übergeben werden sollen. 

Darunter sind der Vorschlag, das Schulfach "Klimafreundliche, gesunde Ernährung" einzuführen. Oder der feste Vorsatz, selbst verstärkt regionales wie saisonales Obst und Gemüse zu kaufen. Toll klingt auch der Vorschlag, dass jede Schule ihren eigenen Schulgarten anlegen sollte. 

Als die Kinder am Abend ihre Eltern beim Abendessen mit Lagerfeuer und Live-Musik wiedersehen, sind ihre Köpfe voller neuer Informationen und Ideen. Voll sind aber am letzten Tag dann auch die Jute- oder Papiertüten: Jeder hat eine Urkunde als Klimaschützer bekommen – und nimmt das eigene Brot mit nach Hause. 

Was drauf soll? Milena, Jonte und Lisanne müssen bei der Frage nun wirklich nicht lange überlegen und rufen: "Das selbstgemachte Nutella!"

Sie wollen sich 2018 wieder bewerben. Für die vierte Auflage der "Kids Climate Conference", die wieder in Medebach stattfinden soll.

Quelle: wa.de

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