Priester schweigt im Missbrauchs-Prozess weiter

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Der 56-jährige Angeklagte schweigt weiter, will sich erst im "letzten Wort" äußern.

KREFELD - Er hat seine Ankündigung nicht wahr gemacht: Der katholische Priester, der sein Patenkind und dessen Bruder missbraucht haben soll, schweigt weiter.

Ein wegen Kindesmissbrauchs angeklagter katholischer Priester hat seine Ankündigung, am Freitag vor Gericht auszusagen, nicht eingelöst. Stattdessen schwieg der 56-Jährige weiter. "Das nehme ich auf meine Kappe", sagte sein Verteidiger, räumte aber zugleich ein: "Der größte Teil der Vorwürfe ist richtig."

Der Pfarrer soll sich jahrelang an seinem Patenkind und auch mehrmals an dessen jüngerem Bruder vergangen haben. Sein Mandant wolle sich nun am Ende des Prozesses beim sogenannten "letzten Wort" zu den Vorwürfen äußern, so sein Anwalt.

Die Hoffnung seines Bistums, der suspendierte Pfarrer möge mit einem raschen Geständnis seinen mutmaßlichen Opfern erneutes Leid durch den Auftritt vor Gericht ersparen, hatte sich bereits zerschlagen: Beide mussten unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen.

Der Jüngere musste am Freitag sogar ein zweites Mal in den Zeugenstand. Das Gericht verlas SMS des Angeklagten an die mutmaßlichen Opfer: "Über vieles, was ich getan habe, schäme ich mich sehr", heißt es in den Kurzmitteilungenn. Er habe sich "nicht im Griff gehabt".

Der 56-Jährige soll sich laut Anklage an seinem Patenkind über einen Zeitraum von fünf Jahren 23 Mal vergangen haben. Beim ersten Übergriff soll der Junge elf Jahre alt gewesen sein.

Den jüngeren Bruder des Patenkinds soll er dreimal missbraucht haben. In einer Selbstanzeige im Mai 2010 hatte der Geistliche bereits einen Teil der Vorwürfe eingeräumt.

Der Priester war zuletzt im Auftrag der Auslandsseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Südafrika eingesetzt. Nach Missbrauchs-Vorwürfen dort und entsprechenden Ermittlungen war er suspendiert worden. Das Strafverfahren in Südafrika wurde im Juni 2014 allerdings eingestellt.

Wegen eines internationalen Haftbefehls wurde er wegen der in Deutschland erhobenen Vorwürfe an die Staatsanwaltschaft Krefeld ausgeliefert.

Nach der Selbstanzeige hatte der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff den Geistlichen vom Priesterdienst suspendiert und die Glaubenskongregation in Rom über die Vorwürfe informiert. Die Kirche wartet derzeit den Strafprozess ab, um dann über die Entlassung des Pfarrers "aus dem Klerikerstand" zu entscheiden. - dpa

Quelle: wa.de

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