Kardinal Meisner beklagt "Katholikenphobie"

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Er fordert Klerus und Laien in der Seelsorge zu Tapferkeit im Umgang mit öffentlicher Häme und "ungerechtfertigten Vorwürfen" auf: Kardinal Joachim Meisner

[UPDATE:15:45 Uhr] KÖLN - Erst beklagte Erzbischof Müller eine "Pogromstimmung", jetzt wittert Kardinal Meisner eine "Katholikenphobie". Ein katholischer Religionssoziologe wertet die Aussagen als Ausdruck von Hilflosigkeit.

Nach den jüngsten innerkirchlichen Skandalen sieht der Kölner Kardinal Joachim Meisner eine "Katholikenphobie" in der deutschen Gesellschaft. Meisner (79) forderte seine Seelsorger in einem Brief zu Tapferkeit im Umgang mit öffentlicher Häme und ungerechtfertigten Vorwürfen auf, berichtete das Erzbistum am Freitag. Die katholische Kirche in Köln war massiv in die Kritik geraten, weil sich dort zwei katholische Kliniken geweigert hatten, eine vergewaltigte Frau zu behandeln.

Erst am vergangenen Wochenende hatte der Chef der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Aufsehen erregt, als er eine aufkommende "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche angeprangert hatte.

Professor Michael Ebertz von der Katholischen Hochschule Freiburg sagte, die Äußerungen der beiden Kirchenmänner seien ein "Ausdruck von Hilflosigkeit". Seit der Aufdeckung des Missbrauchsskandals müssten die Verantwortlichen in der Kirche erleben, dass sie vor ein gesellschaftliches Tribunal gestellt würden, sagte Ebertz der Nachrichtenagentur dpa. Mit dieser veränderten und komplexen Situation angemessen und professionell umzugehen, stelle für bestimmte Verantwortliche eine Überforderung dar.

"Man fragt sich als Katholik: Warum greifen Verantwortliche in der Kirche immer wieder daneben?" sagte Ebertz. "Den Ausdruck Phobie muss man deshalb eigentlich anders sehen. Es ist eine Phobie der Katholiken vor ihrer Kirchenleitung. Viele Katholiken wachen morgens auf und fragen sich: In welches Fettnäpfchen wird heute wieder getreten?"

Kardinal Meisner schreibt in seinem Brief, die Kirche in Köln habe "in der öffentlichen Wahrnehmung einen Sturm erlebt, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe". Den tieferen Grund dafür sieht er darin, dass "die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie" sowie die "deutliche Repräsentanz" durch Papst und Bischöfe "immer stärker polarisieren".

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, äußerte im "Kölner Stadt-Anzeiger" Verständnis für Meisners Position. In der Tat gebe es aggressiv-antikirchliche Stimmungen, die zum Teil aus schlechten Erfahrungen mit der Kirche herrührten, zum Teil aber auch Ausdruck einer Entfremdung gegenüber der Dimension des Religiösen überhaupt seien.

Quelle: wa.de

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