Junges Theater beim Festival „See You“

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Tanz und Theater vereint: „Peter und der Wolf“ zeigt die Tanzwerkstatt Mamrenko aus Hamm, hier mit dem Breakdancer Bruno de Carvalho und der Ballettschülerin Nina Lahn. ▪

Von Edda Breski ▪ DORTMUND–Wenn alles gut läuft, wird es ein Fest: Musik aus allen Ecken, kampierende Jugendliche, die einander kennenlernen, die feiern und gemeinsam Kunstprojekte erarbeiten. Kultur in vielen Sprachen.

Vier Tage soll das See you-Festival dauern, und in diesen vier Tagen soll sich etwas entwickeln, was vorher nicht da war: Junge Menschen wachsen zusammen, es entsteht eine kreative Camp-Atmosphäre und darüber hinaus bilden sich Freundschaften und Kooperationen, ein Netz, das über ganz Europa hinweg Anknüpfungspunkte hat. So plant es das Organisationsteam des Festivals, das ab dem 16. September rund um das Dortmunder U und den Fredenbaumpark ablaufen wird. Rund 300 Menschen werden kommen, 230 Jugendliche und ihre Betreuer. Insgesamt 190 Gruppen haben sich angesagt.

Heiko Rothenpieler arbeitet für die LKD, die Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste, die die Jugendkunstschulen in Nordrhein-Westfalen koordiniert. Er ist Projektmanager für See you und hat die Entwicklung des Festivals über 20 Jahre hinweg begleitet. „Es hat sich unheimlich viel entwickelt“, sagt Rothenpieler. Noch bis 2008 gab es kein Festival in dem Sinne, sondern eine eintägige Veranstaltung, die alle zwei Jahre in einer anderen Stadt in NRW gastierte – 2008 in Aachen. „Durch die Kulturhauptstadt hat das Ganze noch mehr Dynamik bekommen. So haben wir uns entschieden, den Jugendkulturpreis zum mehrtägigen Festival auszuweiten. Allerdings verzeichneten wir auch vorher ein wachsendes Interesse.“ 1 000 Gäste kamen etwa nach Aachen. „Die meisten Jugendkulturgruppen kommen aber aus dem Ruhrgebiet. Daher machte es Sinn, den Veranstaltungsort auch hierher zu verlegen.“

Bespielt wird das Dortmunder U, aber auch das Depot-Theater. Gleich nebenan, im Fredenbaumpark, werden die jugendlichen Teilnehmer zelten. Vormittags gibt es ein Workshopprogramm, bei dem jeder von jedem lernen soll. Vielsprachig wird es dort zugehen, denn es haben sich Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern angesagt. Eine Gruppe reist aus Island an, andere kommen aus der Türkei, aus Tschechien, Polen und Lettland. Rothenpieler: „Der kulturelle Austausch unter den Jugendlichen ist für uns wesentlich, um eine großartige Atmosphäre zu schaffen.“ Die Kontakte wurden über die Dachverbände des LKD und über deutsche Schulen im Ausland hergestellt. Die Teilnehmer bewerben sich um Preise in den drei Kategorien Kinder, Jugendliche und Young Euro Award – für Vorhaben mit besonderer Affinität zu Europa. Ein Online-Award wird für das beste Projektvideo vergeben.

Eine Jury wird die Gruppen vor Ort bewerten. „Uns war besonders wichtig, dass unter den Juroren nicht nur Vertreter verschiedener Sparten, sondern auch unterschiedlicher Generationen sind“, sagt Projektmanager Rothenpieler.

Der Kreativität werden von vorne herein keine Grenzen gesetzt. Rothenpieler beschreibt die See you-Programmatik: „Wir wollen zeigen: Was bewegt Jugend heute? Womit befassen Jugendliche sich. Deswegen war uns wichtig, dass die Jugendlichen an der Konzeption der Projekte selbst beteiligt waren.“ Jede Gruppe aus dem Bereich Jugendkultur konnte sich bewerben, von der Schul-AG bis zur quasi professionell arbeitenden Truppe. So ist das Festivalprogramm bunt gemischt. Das Projekt „Hauptschule in Bewegung“, in dem sechs Schulen mit dem Bochumer Schauspielhaus zusammenarbeiten, zeigt die Shakespeare-Bearbeitung „Der Sturm“. Es gibt Graffitikunst, Arbeiten zur Gewaltprävention, eine integrative Percussiongruppe und ein Zirkusprojekt, in dem Menschen aus Deutschland und Nicaragua sich mit der Figur des „Don Quichote“ beschäftigen. Eine Truppe hat Musikvideos im Problemquartier Dortmunder Norden gedreht.

Aus Hamm kommt die Tanzwerkstatt Mamrenko mit ihrem Tanztheaterstück „Peter und der Wolf“. „Wir beweisen, dass man ganz verschiedene Tanzstile zu klassischer Musik zeigen kann“, sagt Evgeny Mamrenko, der mit 30 Kindern und Jugendlichen die Choreografien zu dem bekannten Kinderstück von Sergej Prokofjew erarbeitet hat. Die Geschichte ist die gleiche geblieben: Der kleine Junge Peter besiegt den bösen Wolf. Neu ist, dass jede Figur – Katze, Vogel, Wolf und Großvater – in einem anderen Stil getanzt wird. So treffen sich auf einer Bühne Breakdance und Ballett, Hiphop und Jazzdance. Das Stück lief bereits mit großem Erfolg am Großen Haus in Münster. „Ich will möglichst vielen Menschen zeigen, was Tanz kann, wie vielfältig er sein kann“, sagt Mamrenko.

Ganz im Sinne des See you-Festivals. Rothenpieler sagt: „Wir verstehen uns als Barometer für Jugendkultur in NRW.“ Die Organisatoren erhoffen sich Impulse weit über 2010 hinaus. „Uns geht es nicht darum, einmal eine Veranstaltung zu schaffen und dann vielleicht eine Folgeveranstaltung. Unser Ziel ist, dass sich die Kulturschaffenden untereinander vernetzen.“ In der Kulturszene bewegten sich vor allem „Einzelkämpfer“. „Wir haben hochengagierte Leute, die einen unglaublichen Einsatz bringen, damit aber oft sehr alleine dastehen. Wir möchten ihnen Öffentlichkeit verschaffen. Davon lebt das Festival.“ Hoffentlich über das Kulturhauptstadtjahr hinaus.

Das See You-Festival findet in dieser Form zum ersten Mal statt. Vorgänger ist der vor mehr als 20 Jahren etablierte Jugendkulturpreis NRW. Gefördert wird die Veranstaltung in diesem Jahr von der Ruhr.2010 sowie vom NRW-Familienministerium. Traditionell sind neben der LKD, der Dachorganisation der NRW-Jugendkunstschulen, als Geldgeber das Kulturbüro des jeweiligen Austragungsortes sowie die örtliche Sparkasse beteiligt.

http://seeyou-festival.net

Videos der teilnehmenden Projekte gibt es im Internet unter http://www.youtube.com/seeyoufestival

Quelle: wa.de

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