Gericht untersucht Todesfall auf der Gorch Fock

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Die Mutter der 2008 an Bord der Gorch Fock verunglückten Jenny Böken war bei dem Ortstermin auf der Gorch Fock anwesend. Vertreter des Verwaltungsgerichts Aachen wollen bei einem Ortstermin prüfen, ob bei der Dienstausübung eine besondere Lebensgefahr bestand.

AACHEN - Vor sechs Jahren ging die Kadettin Jenny Böken über Bord der "Gorch Fock". Die Eltern haben auf Schadenersatz geklagt und hoffen auf Klärung. Der Ortstermin am Mittwoch auf dem Schiff war ein schwerer Gang für sie.

Sechs Jahre nach dem Tod der "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken hat sich ein Gericht einen Eindruck von ihrem Arbeitsplatz auf Deck verschafft. Die Kammer habe vor allem den vorderen Teil des Segelschulschiffes in den Blick genommen, teilte das Verwaltungsgericht Aachen am Mittwoch nach dem Termin mit. Die Eltern schienen bewegt und ergriffen. Sie hätten aber keine Klarheit über die Todesumstände ihrer Tochter bekommen, stellten sie fest.

"Das Gericht hat sich sehr ausführlich mit dem Postenausguck beschäftigt", sagte der Anwalt der Eltern, Rainer Dietz. Die Eltern werfen dem früheren Kommandanten vor, dass ihre Tochter vorne auf dem Postenausguck des Schiffes bei schwerer See und 15 Grad Wassertemperatur keine Schwimmweste getragen hatte und ungesichert war. Die Höhe der Reling sei gemessen worden, sagte Dietz und betonte die gute Vorbereitung des Gerichts. Die mündliche Verhandlung in Aachen ist am 22. Oktober geplant.

Fregattenkapitän Nils Brandt, der Kommandant der "Gorch Fock", und der Beauftragte für Havarieuntersuchungen der Marine, Michael Brühn, gaben nach Angaben des Gerichts Auskunft zu Detailfragen.

Das Verwaltungsgericht Aachen prüft, ob bei der Dienstausübung für die 18-Jährige aus Geilenkirchen auf dem Segelschulschiff der deutschen Marine eine besondere Lebensgefahr bestand. Die Offiziersanwärterin war während ihrer Nachtwache im September 2008 auf der Nordsee unter ungeklärten Umständen über Bord gegangen. Sie wurde zwei Wochen später tot geborgen. Die Staatsanwaltschaft ging von einem tragischen Unglück aus.

Die Eltern der Soldatin haben die Bundesrepublik Deutschland auf 40 000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt und erhoffen sich durch das Verfahren Klarheit über die Todesumstände.

Der Vater der Kadettin äußerte sich nach dem Termin beeindruckt: "Ich habe gedacht, dass ich nicht da vorne stehen möchte." Die Reling sei 75 Zentimeter hoch, man könne leicht über die Taue stolpern.

Mutter Marlis Böken bedankte sich bei der Marine für die bereitwilligen Auskünfte an Deck. Die Eltern werfen der Staatsanwaltschaft Kiel ungenügende Ermittlungen vor. Aus Sicht der Eltern gibt es viele Ungereimtheiten und Widersprüche.

Die Eltern, zwei Anwälte und das Gericht waren vor der angegebenen Zeit an Bord gegangen, Presse und Zuschauer mussten am Kai bleiben. Ein Marinesoldat stand an der Treppe zum Schiff und passte auf, dass kein Unbefugter an Bord ging. - dpa

Quelle: wa.de

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