Ein Jahr "Schmallenberg-Virus": Wolke geht es wieder gut

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Wolke

SCHMALLENBERG - Im November 2011 schockte eine neue Tierkrankheit Bauern und Tierärzte: Der "Schmallenberg-Virus", benannt nach der Stadt im Sauerland, in der die Krankheit erstmals auftrat. In einem der ersten Kuhställe mit positiven Blutproben herrscht heute fast wieder Alltag.

Von Jörg Taron

"Schmallenberg-Virus" - der Name der Kleinstadt im Sauerland schockte vor einem Jahr Tierhalter in ganz Europa. 16 europäische Ländern sind bis heute von dem neuen rätselhaften Virus betroffen, der vor einem Jahr im November 2011 erstmals in Deutschland an Blutproben erkrankter Milchkühe aus Ställen im Sauerland identifiziert wurde. Rinder, Schafe oder Ziegen bekamen Fieber, hatten keinen Hunger mehr, gaben kaum noch Milch und bekamen missgebildeten Nachwuchs.

Die Forschern tauften den Erreger wegen der Herkunft der Proben "Schmallenberg-Virus". Im Stall von Landwirt Markus Göddeke im malerischen Hennetal bei Schmallenberg stehen noch einige der Tiere, von denen die ersten Blutproben stammten.

"Ich konnte mir da keinen Reim drauf machen", sagt der damals zuständige Tierarzt Christof Mues. Fast 30 der 70 Kühe im Boxenlaufstall von Göddeke litten unter den Symptomen. Anfang Oktober zog er Blutproben und schickte sie zur Untersuchung. "Ich habe nicht gedacht, dass da noch was bei rauskommt", erinnert sich der Veterinär. Er sei schon überrascht gewesen, dass die Experten des Friedrich-Löffler-Institutes auf der Ostseeinsel Riems die Ursache herausfinden konnten. "Ich hatte nicht mehr damit gerechnet."

"Das hätte eigentlich Holland-Virus heißen müssen", sagt Markus Göddeke über das Schmallenberg-Virus. Denn dort hatten Landwirte schon länger die gleichen Symptome im Stall. Als die Ergebnisse kamen, ging es den erkrankten Kühen von Göddeke schon wieder gut. "Wolke", die mit dem Halsband mit der Nummer 11 im Stall steht, ist eine von ihnen. "Aber 14 Tage ging es ihr sehr schlecht", sagt Göddeke.

Statt durchschnittlich 35 Litern Milch pro Tag hätten es die erkrankten Tiere gerade einmal auf zehn Liter gebracht. "Das hat länger gedauert, bis sie wieder fast auf der früheren Milchleistung waren." Ein bisschen weniger sei es immer noch, sagt der Bauer. Und durch die Krankheit habe sich bei ihm im Stall alles um etwa zwei Monate verzögert. "Die Kälber kommen später, das merke ich immer noch."

Doch die Existenz-Sorgen des vergangenen Jahres hat er nicht mehr. "Das war schon schlimm. Da verliert man die Lust, wenn jeden Morgen etwas anderes ist", erinnert sich der 38-Jährige. Einige tausend Euro habe ihn die Krankheit dennoch gekostet, überschlägt er. "Durch den Milchrückgang und die hohen Tierarztkosten in den zwei Monaten." Statt der durchschnittlichen Milchleistung von 9500 Litern hätten es Wolke und die anderen erkrankten Kühe nur auf 8500 Liter gebracht. "Das merken wir auch im Portemonnaie", sagt der Bauer. Aber man könne ja nicht die Flinte ins Korn werfen. Um die Verluste aufzufangen, habe er Holz verkauft.

Glück hatte Göddeke dennoch: Denn auf seinem Hof gab es im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen keine Kälber mit verdrehten Gelenken oder offenen Rücken. Und das, obwohl viele der infizierten Kühe hochtragend waren. "Die Kälber sind alle zwar später, aber gesund zur Welt gekommen. Das kann sich keiner erklären." Und seit dem vergangenen Herbst hat es auf dem Hof von Göddeke keine neue Erkrankungen gegeben. - lnw

Quelle: wa.de

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