Islam-Unterricht an der Schule

+
Feliz Gürle-Bilmis (rechts) unterrichtet als Religionslehrerin an der Falkschule in Hamm. ▪

HAMM ▪ Sie sind der Pilotjahrgang: 50 Lehrkräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen erhielten gestern an der Falkschule in Hamm eine unbefristete Unterrichtserlaubnis für das Fach „Islamkunde in deutscher Sprache“.

Blitzartig schnellen die Arme in die Höhe. Unruhig rutschen die Schüler auf den Stühlen hin und her. Die Hände wackeln aufgeregt. „Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das regelmäßige Gebet, das Fasten im Ramadan, die Sozialabgabe und die Pilgerfahrt nach Mekka“, sagt Siyami. „Perfekt“, lobt Lehrerin Filiz Gürle-Bilmis die Antwort des Zwölfjährigen auf ihre Frage nach den Säulen des Islam.

Gürle-Bilmis ist eine von insgesamt 50 Lehrkräften, die sich berufsbegleitend für das Fach „Islamkunde in deutscher Sprache“ fortgebildet hat. Damit gehört sie zu den ersten im ganzen Land, die ab dem kommenden Schuljahr eine unbefristete Unterrichtserlaubnis für das Fach „Islamkunde in deutscher Sprache“ besitzen.

Nachdem die Säulen benannt sind, geht es um die Bedeutung. „Wofür stehen Säulen? Wo haben wir welchen in diesem Raum?“ Die Schüler drehen sich um, nachdem Filiz Gürle-Bilmis die Fragen gestellt hat. Sie sehen sich im Klassenzimmer um. Ebru richtet den Blick auf ihre Lehrerin. „Die Säulen halten die Decke. Sie stützen das Haus“, sagt die 13-Jährige. Filiz Gürle-Bilmis fügt an: „Sie sind das Fundament des islamischen Glaubens – darauf baut sich alles auf.“

Und genau darum soll es auch im Islam-Unterricht gehen: Die Schüler sollen von ausgebildeten Lehrern wie im evangelischen oder katholischen Religionsunterricht Inhalte erfahren. Bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht konnte als ordentliches Lehrfach bisher nicht eingeführt werden. Mit einem im Juni dieses Jahres eingebrachten Entwurf zur Änderung des Schulgesetzes soll islamischer Religionsunterricht nun schrittweise eingeführt werden. Mit ersten Absolventen des an der Universität Münster neu eingerichteten Lehramtsstudiums für islamischen Religionsunterricht wird im Jahr 2017 gerechnet.

Ulla Ohlms, Gruppenleiterin im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW: „Unser Grundgesetz sieht den Religionsunterricht als Pflichtfach vor.“ Auch den mehr als 320 000 Kindern muslimischen Glaubens soll nun „ihr Religionsunterricht“ angeboten werden. Dass der Unterricht in Deutsch stattfindet, hat vor allem einen praktischen Grund: Die Eltern der Kinder kommen aus unterschiedlichen Ländern. Im Unterricht eint sie die deutsche Sprache.

Matthias Clever

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare